Narzissenfest im Salzkammergut
Externsteine
Leuchtturm
Festung Kufstein bei Nacht
Burschenschank Oststeiermark
Licht und Schatten am Untersberg

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232 Kommentare

  1. 1

    anders olafson

    Ein älterer, lebenserfahrener Mensch sagte mir einmal:

    Man kann schon mal hinfallen. Aber man darf niemals liegenbleiben!

    Ob das Poesie ist weiss ich nicht. Ganz sicher aber ist es eine Lebenseinstellung.

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  2. 2

    Clara Schumann

    Wenn Tugend und Gerechtigkeit
    Den großen Pfad mit Ruhm bestreut:
    Dann ist die Erd‘ ein Himmelreich,
    Und Sterbliche den Göttern gleich
    .

    Mozart/Schikaneder: Die Zauberflöte, 1791, Schlußchor am Ende des 1. Aktes

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  3. 3

    El Huron

    Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer,
    unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
    Unsre Heimat ist das Gras auf der Wiese,
    das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
    und die Tiere der Erde
    und die Fische im Fluß sind die Heimat.
    Und wir lieben die Heimat, die schöne
    und wir schützen sie,
    weil sie dem Volke gehört,
    weil sie UNSEREM VOLKE gehört.

    Herbert Keller

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    1. 3.1

      Der Wolf

      Hierzu das Lied:

      Unsere Heimat

      Unsre Heimat ist ein Lied der Pionierorganisation Ernst Thälmann. Der Liedtext stammt von Herbert Keller und die Komposition von Hans Naumilkat. Das Lied entstand 1951.

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  4. 4

    Der Alte Fritz

    Heil euch Kameraden,

    das Folgende kennt ihr zwar schon, aber da es Poesie ist, stelle ich es noch einmal ein.

    Nordwind

    Gequält unser Geist und gequält unsre Herzen,
    verursacht durch geistig und seelische Schmerzen.
    Die Lüge verteidigt, dass Übel beschützt,
    gewählte Regierung die doch uns nicht nützt.

    Unsre Toten verspottet, die Ahnen verteufelt,
    der Glaube geschaffen durch ständig Geheuchel.
    Mit gesenktem Haupte und langer Geduld,
    ertragen die Rede der ewigen Schuld.

    Deutsch sein ist Schande und weiß sein ist schlecht,
    doch schwarz und gemischt sein, ist edel und recht.
    Alle sind gleich, es gibt keine Rassen,
    der Deutsche muss weg, weil wir in hassen.

    Regierung und Nachrichten verkünden dies Wort,
    es sind nur die Weißen, die müssen fort.
    Aus Süd und Südosten her laden sie ein,
    die Menschen zu kommen, unsre Heiler zu sein.

    Das Heil ward versprochen, doch Schrecken gebracht,
    am Tag ist’s gefährlich und tödlich bei Nacht.
    Die Beschützer des Volkes und Hüter des Rechts,
    gezwungen zum nichts tun, auch im Gefecht.

    Die Frauen geschändet und oft auch ein Mord,
    doch meist trifft’s nur Deutsche und die müssen fort.
    Geraubt unsre Ehre, geraubt unser Stolz,
    die Zukunft sie brennt schon, wie ein Stück Holz.

    Ein starkes Volk, einst von Krieger und Weisen,
    doch heute verweichlicht, gehören wir zu den Leisen.
    Sag nicht was du denkst, sag nicht was du bist,
    sonst bist du ein Hasser und übler Rassist.

    Wie lange erträgst du demütig die Schmach,
    du solltest dich fragen, was kommt denn danach?
    Wie schlimm soll es werden, bevor du erwachst,
    bis alle vertilgt sind und keiner mehr lacht?

    Dies sprech ich als Deutscher, mein Volk ruf ich an,
    dir gilt meine Liebe und auch unsrem Land.
    Das Land unsrer Väter verteidigt mit Blut,
    das müssen wir schützen, mit eisernem Mut.

    Der nordische Geist, er ist noch nicht verloren,
    steht nur und wartet, vor verschlossenen Toren.
    Gewährn wir ihm Einlass, erwecken ihn neu,
    gemäß unsrer Art, beständig und treu.

    Es lodern die Feuer, im Herzen entfacht,
    ertönen die Rufe, Deutschland erwacht.
    Und mit ihm der Norden zum Kampfe bereit,
    wir geben nicht Ruhe bis Europa befreit.

    Gerechtigkeit wird wieder walten im Staat,
    gerichtet die Henker für Betrug und Verrat.
    Zins wird gebrochen und Geld wieder frei.
    Das bringt uns das Glück und den Wohlstand herbei.

    Rein unsre Herzen, rein unser Volk,
    schafft Frieden und Freiheit, viel mehr wert als Gold.
    Einsam ist wenig, gemeinsam ist viel,
    die treue Gemeinschaft, das ist unser Ziel.

    Geschrieben von dem Alten Fritz

    Heil und Segen

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    1. 4.1

      Bernwart

      Heil Dir Alter Fritz,

      zu Deinem großen Namensvetter fällt mir folgendes Gedicht ein, daß ich vor Jahren gelesen hatte:

      Einer der kühnsten und wagemutigsten Offiziere Friedrichs, war der Husar, Joachim Hans von Zieten (schwarze Uniform mit silbernem Totenkopf am Tschako).

      Der alte Zieten (Theodor Fontane)

      Joachim Hans von Zieten,
      Husarengeneral,
      dem Feind die Stirne bieten
      – er tat`s wohl hundert Mal;
      sie haben`s all erfahren,
      wie er die Pelze wusch,
      mit seinen Leibhusaren,
      der Zieten aus dem Busch.

      Hei, wie den Feind sie bleuten
      bei Hennersdorf und Prag,
      bei Liegnitz und bei Leuthen,
      und weiter Schlag auf Schlag.
      Bei Torgau, Tag der Ehre,
      ritt selbst der Fritz nach Haus,
      doch Zieten sprach: „Ich kehre,
      erst noch das Schlachtfeld aus.“

      Sie kamen nie alleine,
      der Zieten und der Fritz,
      der Donner war der eine,
      der andre war der Blitz.
      Es wies sich keiner träge,
      drum schlug`s auch immer ein,
      ob warm, ob kalte Schläge,
      sie pflegten gut zu sein. –

      Der Friede war geschlossen,
      doch Kriegers Lust und Qual,
      die alten Schlachtgenossen
      durchlebten´s noch einmal;
      wie Marschall Daun gezaudert
      und Fritz und Zieten nie,
      es ward jetzt durchgeplaudert
      bei Tisch, in Sanssouci.

      Einst mocht es ihm nicht schmecken,
      und sieh, der Zieten schlief,
      ein Höfling will ihn wecken –
      der König aber rief:
      „Laßt schlafen mir den Alten!
      Er hat in mancher Nacht
      für uns sich wach gehalten,
      der hat genug gewacht!“

      Und als die Zeit erfüllet
      des alten Helden war,
      lag einst, schlicht eingehüllet,
      Hans Zieten, der Husar;
      Wie selber er genommen
      die Feinde stets im Husch,
      so war der Tod gekommen
      wie Zieten aus dem Busch.

      Bernwart

      Antworten
      1. 4.1.1
  5. 5

    Der Wolf

    Haltet eurer Herzen Feuer
    Heilig über alle Zeit,
    künden muß es, daß ihr treuer
    als die hellsten Sterne seid.

    Hans Baumann

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  6. 6

    Clara Schumann

    Gemeinschaft

    Wo einer denkt, entsteht ein kleiner Funke,
    wo tausend denken, entsteht ein kleines Licht!
    Ein Tröpfchen Wasser reicht noch nicht zum Trunke,
    und ein Erkenntniskorn genügt noch nicht.

    Erst wenn dasselbe viel Millionen fühlen,
    erst wenn uns allesamt ein Ding bewegt,
    kann unter Handeln jenen Wert erzielen,
    der die Gewähr für beßre Zukunft trägt.

    Aus der Gemeinschaft muß Erlösung kommen,
    denn sie allein befruchtet unsren Geist,
    aus ihr hat mancher schon die Kraft entnommen,
    die Mauern und Gebäude niederreißt.

    Wo einer schreitet, geht sein Schritt verloren,
    wo tausend schreiten, ist ihr Gang voll Wucht,
    drum haben wir uns unlösbar verschworen
    und fügen uns in Ordnung, Sinn und Zucht!

    Aus: Schirach, Baldur von: Das Lied der Getreuen, 1938, S. 25

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  7. 7

    Bernwart

    Germania Incognita

    Aus der Schriftenreihe ‚Sol Invictus‘

    Wenn meine Augen flammen,
    meine Stimme erbebt,
    aus meinen Worten sich die Sonne erhebt.
    Mein Dunkel zerreißt, mein Bewusstsein entfacht,
    ist in mir der Phönix erwacht.

    Da ist die Macht der Schwarzen Sonne.
    Spürst du ihren Widerschein?
    Unsichtbar für deine Augen,
    dringt sie tief in mich hinein.

    Seltene Sprossen von eigenem Rang,
    uns war der Winter so kalt, uns war die Nacht so lang.
    Hatten der Liebe so lange entbehrt,
    mit der Morgenröte sind wir heimgekehrt.

    Wenn meine Augen flammen, meine Stimme erbebt,
    aus meinen Worten sich die Sonne erhebt.
    Hat ihre brennende Liebe mich auserkoren,
    Hat ihr geheimes Licht mich neu geboren.

    Schwarze Sonne, greife in mein Herz!
    Zerreiße mein Dunkel, tilge den Schmerz!
    Wie habe ich mich nach dir verzehrt,
    hast deine Gnade mir gewährt.

    Als Sonnenritter kehren wir heim.
    Wir werden der neue Adel sein.
    Seltene Sprossen von eigenem Rang,
    wir waren verwaist und der Weg war so lang.
    Das Dunkel hat uns nicht verschlungen,
    wir haben uns emporgerungen.

    Die Kinder der Sonne, wenn sie uns sehn,
    werden die Worte von Feuer verstehen.

    Josef K. Im Wonnemond 1995

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  8. 8

    Kleiner Eisbär

    Der Panther

    Im Jardin des Plantes, Paris

    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille –
    und hört im Herzen auf zu sein.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  9. 9

    aktiver Mitleser

    Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten,
    nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen,
    rufet die Arme der Götter herbei!

    Johann Wolfgang Goethe 1749 – 1832
    aus Alldeutscher Jahrgothweiser
    (Kalender für das Jahr 2018)

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  10. 10

    Bernwart

    Grüß Euch!

    Hier der Rat eines Großvaters an sein Enkelkind, besonders wichtig in der heutigen Zeit:

    Deutscher Rat

    Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr,
    laß nie die Lüge deinen Mund entweih’n!
    Von alters her im deutschen Volke war
    der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein.

    Du bist ein deutsches Kind, so denke dran!
    Noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer;
    aus einem Knaben aber wird ein Mann;
    das Bäumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr.

    Sprich ja und nein und dreh und deutle nicht;
    was du berichtest, sage kurz und schlicht;
    was du gelobtest, sei dir höchste Pflicht;
    dein Wort sei heilig, drum verschwend es nicht!

    Leicht schleicht die Lüge sich ans Herz heran,
    zuerst ein Zwerg, ein Riese hintenach;
    doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an,
    und eine Stimme ruft in dir: “Sei wach!”

    Dann wach und kämpf, es ist ein Feind bereit:
    die Lüg’ in dir, sie drohet dir Gefahr!
    Kind, Deutsche kämpften tapfer allezeit!
    Du deutsches Kind, sei tapfer, treu und wahr!

    Robert Reinick

    Antworten
  11. 11

    Bernwart

    Für meine Söhne (Theodor Storm 1817 – 88)

    Hehle nimmer mit der Wahrheit!
    Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue;
    Doch, weil Wahrheit eine Perle,
    Wirf sie auch nicht vor die Säue.
    Blüte edelsten Gemütes
    Ist die Rücksicht; doch zuzeiten
    Sind erfrischend wie Gewitter
    Goldne Rücksichtslosigkeiten.

    Wackrer heimatlicher Grobheit
    Setze deine Stirn entgegen;
    Artigen Leutseligkeiten
    Gehe schweigend aus den Wegen.

    Wo zum Weib du nicht die Tochter
    Wagen würdest zu begehren,
    Halte dich zu wert, um gastlich
    In dem Hause zu verkehren.

    Was du immer kannst, zu werden,
    Arbeit scheue nicht und Wachen;
    Aber hüte deine Seele
    Vor dem Karrieremachen.

    Wenn der Pöbel aller Sorte
    Tanzet um die goldnen Kälber,
    Halte fest: du hast vom Leben
    Doch am Ende nur dich selber.

    Quelle HIER

    Antworten
  12. 12

    Lüne

    Wissen ist Macht

    Wissen ist Macht ! . . .
    In Bescheidenheit, der Wissende lacht . . .

    Denn schnöder Tand und faules Geld,
    bestimmen das Schicksal dieser Welt.

    Und will die Wissenschaft nicht verdarren,
    muß auch sie ihre Ware zu Markte karren.

    Was der Käufer mit der Ware tut,
    ist dem Händler oft egal.
    Drum besagt ein hohes Maß an Wissen,
    nie auch ein hohes Maß an Ethik und Moral.

    Frei nach einem anderen Sprichwort

    Lüne-Lied

    Antworten
  13. 13

    Bernwart

    Land, mein Land

    Morgensonne lächelt auf mein Land,
    Wälder grünen hier in dunklem Schweigen,
    Jedem Schatten bin ich nah verwandt,
    Jedes Leuchten nimmt mich ganz zu eigen.

    Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!
    Löst sich doch kein Hauch von diesen Lungen,
    den du nicht vorher und jetzt und hier,
    erst, mit deinem Hauche hast durchdrungen.

    Deine Berge ragen in mir auf,
    deine Täler sind in mich gebettet,
    deine Ströme, deiner Bäche Lauf
    ist an alle Adern mir gekettet.

    Steht kein Baum auf deiner weiten Flur,
    der nicht Heimat wiegt mit allen Zweigen,
    und in jedem Winde läuft die Spur
    einer Liebe, der sich alle neigen!

    (Karl Bröger 1886-1944)

    Antworten
  14. 14

    Manuel Wagner

    Ein paar kleine, eigene Gedanken.

    Sag, was wird uns die Zukunft bringen –
    frage ich den alten Baum, der am Feldrand steht,
    erfreuen wir uns im Lenz, noch der Vögel Singen,
    oder dem Blättertanz, wenn der Herbstwind weht.

    Dürfen wir morgen noch im Licht der Sonne träumen,
    oder Sterne zählen, in einer lauen Sommernacht –
    den Duft der Blumen atmen, die grüne Wiesen säumen,
    die alten Lieder singen, dabei das Herze lacht.

    Oder fällt die Erde in ein ewig tiefes Schweigen –
    Feld und Wiesen bedecken kaltes, dickes Eis,
    nie mehr will sich im Herzen Freude zeigen,
    und die Seele, sie stirbt still und leis.

    Der alte Baum sich nun zum Himmel streckt –
    seine Äste knarren, es in seinen Blättern rauscht,
    was er mir zuraunt, in mir die Hoffnung weckt,
    die Angst den Platz mit neuem Mute tauscht.

    Du darfst niemals verzagen, nicht weiter bangen,
    so spricht mein Freund, der alte Baum-
    steh auf, zeig nach Wahrheit dein Verlangen,
    gehe auf sie zu, und lebe diesen Traum.

    Dann wird es weiter auf dieser Erde singen,
    das Eis wird tauen, und ein Bach entsteht –
    mit diesem einfach in den neuen Morgen springen,
    du spürst das Leben, wenn Wind dir um die Nase weht.

    Die Weisheit unserer Ahnen aus seinen Worten dringt,
    hat seine Wurzeln tief ins Erdenreich gesenkt –
    und was das Morgen, was uns die Zukunft bringt,
    kommt darauf an, wohin jeder seine Schritte lenkt.

    Manuel

    Antworten
  15. 15

    Albert Leo Schlageter

    Heil Kameraden,

    Was wäre aus der Welt geworden, wenn es nicht zu allen Zeiten tapfere herrliche Menschen gegeben hätte, die, mit Schiller zu sprechen, in den Himmel greifen und ihre ewigen Rechte von den Sternen herunterholen.

    Theodor Fontane
    Aus meiner preussischen Heimat

    Antworten
  16. 16

    Mettler

    Sie geben sich als Deutschland aus

    Sie geben sich als Deutschland aus
    nun über siebzig Jahren schon
    Sie rauben uns‘re Heimat aus
    Verschachern alles uns zum Hohn-
    in ihrem Demokratenwahn
    Deutschland hätt‘ das nie getan!

    Sie sitzen dort im Parlament
    Und geben vor uns zu regieren
    Mit Schlips und Kragen, hübsch gekämmt
    Das Volk indes auf allen vieren-
    Der Demokrat- ein Scharlatan
    Deutschland hätt‘ das nie getan!

    Sie geben sich als Deutschland aus
    und simulier’n den deutschen Staat
    Doch was kommt dabei nur heraus
    Aus übler Lüge schlimmste Saat-
    Die Führung mutet Blutleer an
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    Und während sie uns ausverkaufen
    Privatisieren, Zugrunderichten
    Reformen stets an Krücken laufen
    Das Volk verdummt, soll nichts kapieren-
    Soll ihnen sein nur Untertan
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    So halten sie‘s für ihre Pflicht
    Und wiederhol‘n stets Selbstgerecht
    Daß Deutschland mag niemals vergessen
    Daß es doch schuldig sei und schlecht-
    Sie lügen, daß sich biegt der Kran
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    Sie geben sich als Deutschland aus
    Und schleusen endlos Fremde ein
    Denn fortan soll‘n die Kinder draus
    In keinem Fall mehr helle sein-
    Sie setzen um des Teufels Plan
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    Sie hämmern stetig Katastrophen
    In uns‘re Jugend, uns‘re Kinder
    Das Narrativ von Gas und Ofen
    „deutsche Schuld“ wird nimmer minder-
    richten schlimmste Schäden an
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    Doch was hat Deutschland nur getan
    daß es nach Freiheit darbt in Gram
    Es hat des Juden Zins zerbrochen
    im eig’nen Land und ohne Scham-
    Nun treibt sie nackte Rache an
    Deutschland hätt‘ das nie getan

    Wieviel Leid kann man ertragen
    Wieviel Elend durchsteh‘n, sag!
    Die Hoffnung möchte uns erscheinen
    So wie der aller fernste Tag-
    Doch Hoffnung gibt’s für uns, wirst sehn
    Wenn wir nur treu zu Deutschland stehn

    Sie geben sich als Deutschland aus
    Doch Deutschlands Herzen, das sind wir
    Sie wissen’s und verteufeln uns
    Denn für die Heimat steh‘n wir hier-
    Die Heimat ist dem Himmel gleich
    Denn in uns lebt das Deutsche Reich!

    Siegfried Heilberger (2018)

    Antworten
  17. 17

    Der Wolf

    Feuerspruch

    Was Dich auch bedrohe:
    Eine heil’ge Lohe
    gibt Dir Sonnenkraft!
    Laß Dich nicht entrechten,
    laß Dich nimmer knechten!
    Gott gibt dem Gerechten
    wahre Heldenschaft.

    Was auch immer werde,
    steh‘ zur Heimaterde,
    bleibe wurzelstark!
    Kämpfe, blute, werbe
    für Dein höchstes Erbe,
    siege oder sterbe:
    Deutsch sei bis ins Mark!

    Entstanden in den 1920er Jahren, gedichtet von dem in der deutschen Jugendbewegung wurzelnden Heinrich Gutberlet, vertont von Eugen Naumann. Wurde zum Nationallied der Deutschen, die in der Folge der Gebietsabtrennungen von 1920 in den polnischen Machtbvereich gelangten (Posen und Westpreußen). Schließlich wurde sie zur Hymne der Auslandsdeutschen überhaupt.

    Antworten
  18. 18

    Heidr

    Abschied

    Oh Täler weit, oh Höhen,
    Oh schöner, grüner Wald,
    Du meiner Lust und Wehnen,
    Andächt’ger Aufenthalt!
    Da draußen, stets betrogen,
    Saust die geschäft’ge Welt,
    Schlag noch einmal die Bogen,
    Um mich, du grünes Zelt!

    Wenn es beginnt zu tagen,
    Die Erde dampft und blinkt,
    Die Vögel lustig schlagen,
    Daß dir dein Herz erklingt:
    Da mag vergehn, verwehen
    Das trübe Erdenleid,
    Da sollst du auferstehen
    In junger Herrlichkeit!

    Da steht im Wald geschrieben
    Ein stilles, ernstes Wort
    Von rechtem Tun und Lieben,
    Und was des Menschen Hort.
    Ich habe treu gelesen
    Die Worte, schlicht und wahr,
    Und durch mein ganzes Wesen
    Wards unaussprechlich klar.

    Bald werd ich dich verlassen,
    Fremd in der Fremde gehn,
    Auf buntbewegten Gassen
    Des Lebens Schauspiel sehn;
    Und Mitten in dem Leben
    Wird deines Ernsts Gewalt
    Mich Einsamen erheben,
    So wird mein Herz nicht alt.

    Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

    Antworten
  19. 19

    Der Wolf

    Kameraden, hier ist noch ein sehr bekannter Spruch, den ich das erste Mal von einer älteren Dame gehört habe:

    Nichts kann uns rauben
    Liebe und Glauben
    zu unserm Land;
    es zu erhalten
    und zu gestalten
    sind wir gesandt.

    Mögen wir sterben,
    unseren Erben
    gilt dann die Pflicht,
    es zu erhalten
    und zu gestalten
    – Deutschland stirbt nicht!

    Karl Bröger, Arbeiterdichter (1886 – 1944); geschrieben 1923 als nationales Bekenntnis gegen die Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen.
    Karl Bröger war ein im ersten Weltkrieg schwer verwundeter Frontsoldat und war zu der Zeit, als das Gedicht entstand Sozialdemokrat. Heute würde Karl Bröger wegen seiner vaterländischen Gesinnung von den eigenen Genossen verfolgt. Das zeigt, wie tief die heutige Sozialdemokratie gesunken ist, obwohl sie schon damals nicht nur die Arbeiter, sondern auch ihr Vaterland längst verraten hatten.

    Antworten
  20. 20

    Kurzer

    ZUR ERINNERUNG FÜR ALLE KOMMENTATOREN!!!

    Diese Seite dient ausschließlich der Einstellung von “Poesie“, begleitet von einer Überschrift und einer sauberen Angabe der Quelle. Sonstige Begleittexte des Einstellers und Kommentare zu den Wortmeldungen werden unkommentiert entfernt.

    So verständlich der Wunsch von manchem ist, einen Kommentar dazu einzustellen, geht damit doch der Sinn verloren, hier POESIE zu sammeln.

    Der Kurze

    Antworten
    1. 21.1

      Bernwart

      Halte nicht zurück die Meinung (Adolf Glaßbrenner 1810-1876)

      Halte nicht zurück die Meinung!
      Aus dem Herzen in die Welt!
      Lass getrost in die Erscheinung
      Treten, was dir wohlgefällt.
      Strafe kühn das Geistig-Hohle!
      Mach dich zu der Wahrheit-Hort!
      Alles dient dem Staat zum Wohle,
      Und bei uns heißt die Parole:
      Licht und Luft dem freien Wort!
      ———

      DIE WACHT AM RHEIN

      O Deutschland, wo sie dich ans Kreuz geschlagen,
      steht menschliche Erbärmlichkeit geschart.
      An den gefällten Riesen Zwerge wagen
      geschäftig sich heran nach Zwergenart.
      O Deutschland, dich deckt dunkler Trauer Wolke,
      Und Hader deines Schwertes Schneide frisst;
      strahlt dir der Tag, so strahlt er allem Volke,
      und Deutschland Nacht die Nacht der Menschheit ist.

      O Deutschland, überm Dunkel Sterne wohnen;
      dein Pfad wird weiten sich dem Morgen zu,
      die Flur mit neuer Frucht dein Schaffen lohnen
      dir, aller Völker grösster Sämann du!
      Du wirst ob dieser Menschheit irren Trieben
      den Schild erheben lichter denn zuvor,
      statt deiner Rache Seelengrösse üben,
      wo man nur Blut und Tränen dir beschwor.

      Noch hellet Kants gestirnter Himmel deine Nächte,
      des Genius Fackel dir aus Weimar loht,
      aus Worms noch hallt es fort mit ewgem Rechte:
      Hier stehe ich, kann anders nicht – bei Gott!
      Noch ringt dein Faust in ruhelosem Streben
      um wahren Menschentumes tiefsten Sinn,
      Bachs Orgel jauchzt in heiligem Erleben
      und schluchzt der Menschen Sehnsuchtsmelodien.

      Rohe Gewalt mag viel in Trümmer schlagen,
      der Seele Kraft wird unbesiegbar sein!
      Im Reich des Geistes stehet sonder Zagen
      auf stolzer Höhe noch die „Wacht am Rhein“.
      Jahrhundert um Jahrhundert wird sie währen,
      erreichen kann sie nicht des Hasses Lug,
      noch schlägt in ihrem Waffenkleid voll Ehren
      das grösste Herz, das je die Erde trug.

      V. A. Koskenniemi

      Heil und Segen

      Bernwart

      Antworten
  21. 22

    Tochter einer Trümmerfrau

    Närrisch bunte Tage 2018 von Bernhardine

    Heut`feiern wir Weiberfasenacht:
    Viele Merkel-Gäste bis es kracht!
    „Hilfe!“, schreien Mädchen und Frau`n;
    der Handydieb ist ein dunkler Clown.
    Auch hängt bei ihm sein Ding heraus;
    ein Stück gekürzt, welch ein Graus!

    Es packt den Michel die blanke Wut,
    haut ein Bierglas auf des Nafris Hut.
    Nun sitzt er im Knast voller Bitterkeit;
    eine Staatsanwältin ermittelt derzeit.
    Sich wehren ist nämlich Fremdenhaß-
    Michel, dies wird ein teures Bierglas!

    Die Wunde vom Nafri-Messer ist tief;
    bei unserer Justiz läuft etwas schief.
    Der Nafri wird von Linken bedauert;
    längst hat er wieder Frauen belauert.
    Drum durfte er seine Sippe nachholen,
    dies wurde ihm als Therapie empfohlen.
    Dazu bekam er den deutschen Paß….
    Allah, so macht die Eroberung Spaß!

    gefunden im Netz, gedichtet von einer Bernhardine

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  22. 23

    Heidr

    An Deutschland

    Ich hab‘ dir Treu gehalten,
    Mein deutsches Vaterland,
    Als deiner Kräfte Walten
    Noch hoch in Ehren stand.

    Wie könnt‘ ich dich verlassen
    in deiner schweren Not?
    Mit Lieb‘ dich zu umfassen,
    Ist dieser Zeit Gebot.

    Viel‘ fremde Stimmen werben
    Und locken zum Verrat;
    Schmach jedem und Verderben,
    Der wankt in Wort und Tat!

    Im Unglück zu dir stehen,
    Will ich nicht tragen scheu,
    Mag alles auch vergehen,
    Soll bleiben doch die Treu.

    Josef Huggenberger (1865-1938)
    Aus der Sammlung ,,Aus Höhen und Tiefen“

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  23. 24

    Der Wolf

    BESINNUNG

    Wer spürt noch die feine Seele
    der Dinge, die um uns sind;
    wer lauscht noch dem Lied der Vögel,
    dem Strom und dem leisen Wind?

    Wer sieht noch die zarten Gräser,
    die Blumen am Wegesrand;
    wer fühlt noch beglückt die Weite
    und Schönheit von Meer und Land?

    Wen rührt noch das Los der Tiere,
    der Brüder in Wald und Feld;
    wer ahnt noch in tiefer Andacht
    den Gott in der weiten Welt?

    Wir eilen auf lauten Straßen,
    wir leben in Lärm und Hast,
    wir nehmen dem Tag das Leuchten
    und werden uns selbst zur Last.

    Wir haben es fast vergessen
    im Taumel der kranken Zeit,
    daß Gott uns ein Herz gegeben:
    daß Gott dieses Herz geweiht,

    das Leben getreu zu hüten,
    zutiefst in die Welt versenkt,
    und liebevoll zu umfangen,
    was Himmel und Erde uns schenkt.

    WOHIN GEHST DU MEIN VOLK

    Wohin gehst du, mein Volk?
    Wohin führt dich dein Weg
    durch das Irrsal dieser verworrenen Zeit,
    wo der Bruder den Bruder verrät,
    die Mutter die Kinder verläßt,
    daß sie verkommen im Sumpfe der Gosse;
    wo der Mann vergißt,
    daß die Frau, die Geliebte,
    etwas Heiliges ist,
    noch immer.

    Wohin gehst du, mein Volk?
    Wohin führt dich dein Weg
    durch falschen Reichtum und Glanz?
    Satt und stumpf treibst du durch
    Lärm und Lust,
    ohne Blick für den Tag und den
    hohen Himmel,
    für den Wald, der noch blieb,
    und den Acker, der dich getreulich ernährte
    all die Geschlechter lang.

    Wohin gehst du, mein Volk,
    zwischen Leichtsinn und Untergang?
    Hast du vergessen, was Väter und Ahnen
    erbaut, geliebt und geadelt,
    mein Volk, was seit Urzeiten als
    Höchstes galt
    vor Gott und den Menschen:
    die Treue, die Ehre, die Liebe –
    nicht der Feind, wie hätt’ er es je vermocht –
    nur du selbst konntest es leugnen
    und höhnend zertreten.

    Wohin gehst du, mein Volk?
    Die Lüge betest du an,
    erhebst sie auf deinen Altar,
    in ihrem Namen verrätst du dein Bestes:
    den Tod deiner Söhne, die Tränen der Mütter,
    die brennende Not
    um das Schicksal der Heimat.
    Schamrot muß selbst der Fremde sich wenden,
    schamrot, daß du so tief
    dich zu vergessen vermochtest!

    Beide Gedichte stammen von Ursel Peter 1923 – 1970, Lehrerin, vaterländische Dichterin und Patriotin aus dem Sudetenland (geboren in Weigelsdorf/Mähren, gestorben in Linz/Österreich).
    Weitere Informationen HIER

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  24. 25

    aktiver Mitleser

    Der Adler fliegt wieder – aus der Edda:

    Zum Adler sprach die Taube:
    Wo das Denken aufhört, da beginnt der Glaube.
    Recht so, sprach da der Adler
    mit einem Unterschied jedoch.
    Wo Du schon glaubst,
    da denk ich noch!

    Ludwig Robert (1778 – 1832)

    Antworten
    1. 25.1

      Der Wolf

      Passend hierzu von Friedrich Rückert (1788 – 1832), Deutscher Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer :

      Das sind die Weisen,
      Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen,
      Die bei dem Irrtum verharren,
      Das sind die Narren.

      Antworten
  25. 26

    Torsten

    Vor dem Tor

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
    Im Tale grünet Hoffnungsglück;
    Der alte Winter, in seiner Schwäche,
    Zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dort her sendet er, fliehend, nur
    Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    In Streifen über die grünende Flur.
    Aber die Sonne duldet kein Weißes,
    Überall regt sich Bildung und Streben,
    Alles will sie mit Farben beleben;
    Doch an Blumen fehlts im Revier,
    Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
    Kehre dich um, von diesen Höhen
    Nach der Stadt zurück zu sehen!
    Aus dem hohlen finstern Tor
    Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heute so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
    Denn sie sind selber auferstanden:
    Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
    Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
    Aus der Straßen quetschender Enge,
    Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    Sind sie alle ans Licht gebracht.
    Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
    Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
    Wie der Fluß in Breit und Länge
    So manchen lustigen Nachen bewegt,
    Und, bis zum Sinken überladen,
    Entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges fernen Pfaden
    Blinken uns farbige Kleider an.
    Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
    Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
    Zufrieden jauchzet groß und klein:
    Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

    Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

    Seltsam, dieses Gedicht ist passend für unser neues Zeitalter. Allen Heil und Segen! 🌞

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  26. 27

    Torsten

    Abendlied

    Der Mond ist aufgegangen,
    Die goldnen Sternlein prangen
    Am Himmel hell und klar;
    Der Wald steht schwarz und schweiget,
    Und aus den Wiesen steiget
    Der weiße Nebel wunderbar.

    Wie ist die Welt so stille,
    Und in der Dämmrung Hülle,
    So traulich und so hold!
    Als eine stille Kammer,
    Wo ihr des Tages Jammer
    Verschlafen und vergessen sollt.

    Seht ihr den Mond dort stehen? –
    Er ist nur halb zu sehen,
    Und ist doch rund und schön!
    So sind wohl manche Sachen,
    Die wir getrost belachen,
    Weil unsre Augen sie nicht sehn.

    Wir stolze Menschenkinder
    Sind eitel arme Sünder
    Und wissen gar nicht viel;
    Wir spinnen Luftgespinste,
    Und suchen viele Künste,
    Und kommen weiter von dem Ziel.

    Gott, lass uns dein Heil schauen,
    Auf nichts Vergänglichs trauen,
    Nicht Eitelkeit uns freun!
    Lass uns einfältig werden,
    Und vor dir hier auf Erden
    Wie Kinder fromm und fröhlich sein.

    Wollst endlich sonder Grämen
    Aus dieser Welt uns nehmen
    Durch einen sanften Tod!
    Und, wenn du uns genommen,
    Lass uns in Himmel kommen,
    Du unser Herr und Gott.

    So legt euch denn, ihr Brüder,
    In Gottes Namen nieder;
    Kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott! Mit Strafen,
    Und lass uns ruhig schlafen!
    Und unsern kranken Nachbarn auch! !!

    Ich liebe dieses Lied, es voll von Geist und Reinheit!

    Antworten
  27. 28

    aktiver Mitleser

    Wir schaffen im Heute,
    die Vergangenheit,
    an die wir morgen
    hoffentlich gerne denken.

    Selbstverfasst (aktiver Mitleser)

    Antworten
  28. 29

    Ursula

    Unsere Sprache

    Daß keine, welche lebt, mit Deutschlands Sprache sich
    in den zu kühnen Wettstreit wage!
    Sie ist, damit ichs kurz, mit ihrer Kraft es sage,
    an mannigfalter Uranlage
    zu immer neuer und doch deutscher Wendung reich;
    ist, was wir selbst in jenen grauen Jahren,
    da Tacitus uns forschte, waren,
    gesondert, ungemischt und nur sich selber gleich
    .

    Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724-1803

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  29. 30

    Ursula

    Die Dankesschuld

    Ich trat vor ein Soldatengrab
    und sprach zur Erde tief hinab:
    „Mein stiller, grauer Bruder du,
    das Danken läßt uns keine Ruh.
    Ein Volk in toter Helden Schuld
    brennt tief in Dankes Ungeduld.
    Daß ich die Hand noch rühren kann,
    das dank ich dir, du stiller Mann.
    Wie rühr ich sie dir recht zum Preis?
    Gib Antwort, Bruder, daß ichs weiß!
    Willst du ein Bild von Erz und Stein?
    Willst einen grünen Heldenhain?“

    Und alsobald aus Grabesgrund
    ward mir des Bruders Antwort kund:
    „Wir sanken hin für Deutschlands Glanz,
    blüh, Deutschland, uns als Totenkranz!
    Der Bruder, der den Acker pflügt,
    ist mir ein Denkmal, wohlgefügt.
    Die Mutter, die ihr Kindlein hegt,
    ein Blümlein überm Grab mir pflegt.
    Die Büblein schlank, die Dirnlein rank
    blühn mir als Totengärtlein Dank.
    Blüh, Deutschland, überm Grabe mein,
    jung, stark und schön als Heldenhain!“

    Walter Flex 1887 – 1917

    Antworten
  30. 31

    eine deutsche Mutter

    Meine Ahnen

    Manchmal sitze ich still und leise,
    auf meine ganz spezielle Weise –
    geh´ ich dann auf eine Reise;
    kehre in mein Herzenslicht –
    dort erreicht mich das Dunkle nicht.

    Ich fühle dort in eine Stille rein,
    mein Empfinden ist dabei klar und fein –
    kaum etwas könnte noch schöner sein!

    Mein Geist ist dann so unglaublich groß,
    Liebe und Geborgenheit,
    fast schon wie in Gottes Schoß.

    Kommuniziere gerne auch mit meinen Ahnen;
    manchmal kommen sie,
    um mich zu ermahnen,
    doch sie können auch so wunderbar loben,
    meine lieben hütenden Seelen dort oben.

    Da draußen – im Außen –
    steigende Wut,
    auch hier geben sie Rat
    und machen mir Mut.

    Ich kann mit ihnen viel Blödsinn machen,
    meistens haben wir dabei ordentlich zu lachen.

    Sie sind mir wie kleine Elfen,
    kommen, wenn ich sie brauche,
    um mir zu helfen.

    Wenn ich auch mal traurig bin,
    setze ich mich einfach hin,
    gehe dann auf meine Reise nach innen –
    der Rat der Ahnen fängt an zu beginnen.

    Ganz tief in meinem Herzen,
    da sind kaum mehr Schmerzen,
    hab gelernt sie auszumerzen,
    durch Blut ist es begossen,
    auf ewig in mein Herz geschlossen.

    Oft hält man mich für etwas verrückt,
    bin davon ja so entzückt. ( xD )

    Die meisten können´s eh nicht verstehen,
    geschweige denn, gar selber sehen,
    fangen schon zu Beginn an zu stutzen,
    haben verlernt ihr Herz zu (be)nutzen.

    Dabei könnt es doch so einfach sein,
    haltet nur eure Herzen rein und
    lasst euch auf die Ahnen ein,
    denn im Grunde ist doch keiner
    wirklich allein.

    Jetzt muss ich aber auch mal mahnen:
    öffnet eure Herzen und
    ehr(e)t eure Ahnen!

    Verfasst am 06.02.2017, eine deutsche Mutter

    Heil und Frieden

    Antworten
  31. 32

    eine deutsche Mutter

    Das Leben

    Das Leben wurde uns gegeben,
    ohne das wir fragten,
    ohne Mut und ohne Geist,
    so vieles wir nicht wagten.

    Die gewohnten Tage sind vorbei,
    seht ihr die *Katastrophe,
    hol ich meinen Stift herbei
    und schreibe manche Strophe.

    Steh´n wir an einem Wendepunkt
    zwischen gut und böse?
    …sollten wir in Acht uns nehmen
    vor Gottes Wutgetöse!

    Eine Frage gilt zu stellen,
    bevor wir alle sterben,
    auf dem Weg den Geist erhellen;
    was hinterbleibt den Erben?!

    *sinnbildlich für Umwandlung/Umwälzung/Neu-Ordnung

    24.02.2016, eine Deutsche Mutter

    Heil und Frieden

    Antworten
  32. 33

    eine deutsche Mutter

    Die Wurzeln

    Die Wurzeln sind wichtig,
    es ist nicht richtig,
    diese zu bekämpfen,
    es kann/darf uns nicht dämpfen.

    Unsere Herzen sind rein,
    das System nur ein Schein,
    ich will endlich sein,
    in diesem Land mein.

    Wir wurden belogen,
    Jahrzehnte betrogen,
    die Emotionen aufgewogen.

    Sehr lange viel zu klein gemacht,
    Lug und Trug wuchsen heran zur Pracht,
    fast zu spät erst aufgewacht,
    dafür *toben, bis es *kracht.

    (*sinnbildliche Metapher)

    24.02.2016, eine Deutsche Mutter

    Antworten
  33. 34

    eine deutsche Mutter

    Hundert Jahre später

    Hundert Jahre später,
    da trafen sie den Peter
    und der sagte:
    „och – befreit Euch
    von dem Joch!“
    Das kann doch nicht sein,
    macht Euch nicht so klein;
    Eure Seelen sind rein,
    folgt nur nicht deren Schein.

    Hundert Jahre später,
    wiederholt sich das Gezeter,
    wir kriegen fast ´nen Krampf,
    stehen so kurz vor ´nem Kampf.
    Seht wie sich die Fäuste ballen,
    es werden viele fallen.
    Für die Reichen ihr Vergnügen,
    soll uns der Krieg genügen;
    lasst Euch nicht belügen;
    sie wollen uns betrügen,
    gauckeln das „FREI -SEIN“,
    fallt nur nicht auf sie rein!

    Hundert Jahre später,
    folgten sie dem Peter
    und man siehe bloß –
    sie wurden wieder groß.

    Hundert Jahre lang,
    war ihnen furchtbar bang;
    die Schuld war gar nicht ihre,
    sie waren Pioniere;
    man kannt´ nur Lug und Trug,
    doch heute sind sie klug,
    haben von allem genug –
    schwanken darauf den Krug.
    Es staute sich die Wut –
    die Menschen fassten Mut –
    ist der Kampf gewonnen,
    wird am Ende alles gut.

    in freundschaftlicher, liebevoll – dankbarer Erinnerung
    an Kamerad Peter „Peterle“ Heide

    31.10.2014, eine deutsche Mutter

    Antworten
  34. 35

    eine deutsche Mutter

    Warum?

    Warum ist der Himmel blau,
    warum sind die Wolken grau,
    warum ist das Gras so grün,
    warum können Blumen blüh´n,
    warum rauscht so schön das Meer,
    warum sind so viele Herzen leer?

    Warum weht der starke Wind,
    warum weint so oft ein Kind,
    warum leidet heut´das Rind,
    warum sind die Menschen so blind?

    Warum in die Sterne sehen,
    warum in die Ferne gehen,
    warum gibt es bloß den Krieg,
    warum so wenig Hoffnung auf Sieg?

    Warum strebt der Mensch nach Macht,
    warum gibt er dabei nicht Acht,
    warum die „Elite“ lacht,
    wenn es erst im Lande kracht?

    Warum schreibe ich diese Zeilen,
    sollten wir uns nicht beeilen,
    das Unrecht wahrlich wegzuschaffen,
    bevor wir dem Tode ins Auge gaffen?

    Bleibt doch bitte nicht alle Stumm:
    hinter jedem Warum,
    steckt auch immer ein Darum –

    man muss nur überwinden,
    um es zu finden!

    27.12.2015, eine Deutsche Mutter

    Heil, Segen und Frieden

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  35. 36

    Ursula

    Bekenntnis

    Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt,
    bloß haben wir sie nie mit einem Namen genannt.
    Als man uns rief, da zogen wir schweigend fort,
    auf den Lippen nicht, aber im Herzen das Wort
    Deutschland.

    Unsere Liebe war schweigsam, sie brütete tief versteckt.
    Nun ihre Zeit gekommen, hat sie sich hochgereckt.
    Schon seit Monden schirmt sie in Ost und West dein Haus,
    und sie schreitet gelassen durch Sturm und Wettergraus.
    Deutschland.

    Daß kein fremder Fuß betrete den heimischen Grund,
    stirbt ein Bruder in Polen, liegt einer in Flandern wund.
    Alle hüten wir deiner Grenzen heiligen Saum.
    Unser blühenstes Leben für deinen dürresten Baum.
    Deuschland.

    Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt,
    bloß wir haben sie nie bei ihrem Namen genannt.
    Herrlich zeigte es aber deine größte Gefahr,
    daß dein ärmster Sohn auch dein getreuester war-
    Denk es, oh Deutschland
    .

    Karl Bröger 1886 -1944

    Antworten
  36. 37

    Ursula

    Nordmännerlied

    Der Abend kommt, und die Herbstluft weht,
    Reifkälte spinnt um die Tannen,
    o Kreuz und Buch und Mönchsgebet,
    wir müssen alle von dannen.

    Die Heimat wird dunkel und dämmernd und alt,
    trüb rinnen die heiligen Quellen;
    du götterumschwebter, du grünender Wald,
    schon blitzt die Axt, dich zu fällen!

    Wir ziehen stumm. ein geschlagen Heer,
    erloschen sind unsere Sterne.
    Island, du eisiger Fels im Meer,
    steig auf aus nächtiger Ferne.

    Steig auf und empfah unser reisig Geschlecht,
    auf geschnäbelten Schiffen kommen
    die alten Götter, das alte Recht,
    die alten Nordmänner geschwommen.

    Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt,
    Sturmwogen die Ufer umschäumen,
    auf dir, du trotziges Ende der Welt,
    die Winternacht wolln wir verträumen.

    Joseph Viktor von Scheffel 1826 – 1886

    Antworten
    1. 37.1

      Bernwart

      Heil Dir Ursula,

      das ist eines meiner Lieblingslieder.

      Mit Armanengruß

      Bernwart

      Antworten
      1. 37.1.1
      2. 37.1.2

        Ursula

        Wie schön, Bernwart, herzlichen Dank dafür!
        Ich liebe dieses Gedicht seit meinen Kindertagen, aber ich habe es noch nie vertont gehört.

        Heil und Segen

        Ursula

  37. 38

    eine deutsche Mutter

    Oh geliebte Heimat mein

    Oh geliebte Heimat mein,
    was hat man Dir bloß angetan.

    Oh geliebte Heimat mein,
    halten uns für Narr´n.

    Oh geliebte Heimat mein,
    was geschieht bloß mit Deinen Feldern.

    Oh geliebte Heimat mein,
    was wird aus Deinen Wäldern.

    Oh geliebte Heimat mein,
    was ist mit Deinen Flüssen.

    Oh geliebte Heimat mein,
    komm lass Dir die Wunden küssen.

    Oh geliebte Heimat mein,
    wie hat man Dich verschandelt.

    Oh geliebte Heimat mein,
    ein Graus wie man Dich behandelt.

    Oh geliebte Heimat mein,
    Du wurd´st so schwer geschunden.

    Oh geliebte Heimat mein,
    ich streichle Deine Wunden.

    Oh geliebte Heimat mein,
    Leid ist nicht Deine Frucht.

    Oh geliebte Heimat mein,
    Gerechtigkeit folgt mit Wucht.

    Oh geliebte Heimat mein,
    das hast Du nicht verdient.

    Oh geliebte Heimat mein,
    wie man sich an Dir bedient.

    Oh geliebte Heimat mein,
    man legte Dich in Ketten.

    Oh geliebte Heimat mein,
    darauf soll man wetten;

    Oh geliebte Heimat mein,
    wir ersuchen Dich zu retten.
    Oh geliebte Heimat mein,
    trotz der ganzen Hiebe:

    Deutschland,
    geliebtes Heimatland,
    sollst wissen, daß ich Dich liebe.

    21.02.2017, eine deutsche Mutter

    Heil und Segen

    Antworten
  38. 39

    Der Wolf

    Bei allem Leid und aller Verzweiflung über unser verführtes, betrogenes und gedemütigtes Volk:

    Bedenket:
    Wohl traf’s sich, daß des Adlers Flug ihn niedriger trug als Hühner fliegen;
    doch nie erreichen Hühner Adlers Höhn!

    Aphorismus

    Antworten
  39. 40

    Ursula

    Ein jedes Band, das noch so leise
    die Geister aneinanderreiht,
    wirkt fort auf seine stille Weise
    durch unberechenbare Zeit
    .

    August Graf von Platen 1796 – 1835

    Antworten
  40. 41

    Kurzer

    Namen und Worte
    Verdrehen.
    Tränen und Orte
    Vergehen.
    Lüge und Kriege
    Verwehen.
    Taten und Liebe
    Bestehen
    .

    Aus: „Fenreya – Die Monde aber sprachen“ (Band 1 der CLANNADSAGA)
    von Nicolai und Bjørn Lystaal

    Antworten
  41. 42

    Maria

    An die Heimat

    Heimat!

    Du warst uns Mutter und Haus.
    Heimat!

    In deinen Wäldern bargen wir unsere Heimlichkeit.
    Auf deine Berge trugen wir unserer Sehnsucht Leid.
    Heimat!

    Auf deinen Feldern wuchs unser Brot.
    Heimat!

    Wir zogen zu Männern geworden
    aus deiner Lieblichkeit fort.
    Auf schroffen Felsen am Todesort,
    schlugen wir, nahe dem Sternenlauf,
    weittragend und trotzig das Wächterzelt auf.
    Heimat!

    Wie liegst du, ein zarter Traum,
    unwirklich geworden
    weit unten im Raum.
    Heimat!

    Unser Herz hat Heimweh nach dir.
    Doch unser Wille flammt himmelwärts
    dem Ziele zu,
    dessen Befehle die Seele uns füllen.
    Heimat!

    Wir haben dich einst verlassen,
    weil wir dich lieben,
    nicht, weil wir dich hassen.
    Und deine Söhne sind wir noch heut.
    Doch haben wir unser Ziel gewählt:
    Wir haben uns der Idee vermählt!
    Du, unsere Mutter, o Heimat!

    Aus „Der deutsche Dämon.“

    Antworten
    1. 42.1

      Bernwart

      Die starken Seelen

      Die starken Seelen such` auf deinem Weg;
      an ihnen sauge Kraft, wie sie zu wandern.
      Wenn selbst du zauderst vor dem schwanken Steg,
      was soll das bangend Beispiel noch von andern?

      Man ist allein, wenn man mit denen geht,
      die unserm Innern nichts zu bieten haben.
      Nur wer im Leben fester als du steht,
      an dem kann deine Seele sich erlaben.

      Aus ihm nur wächst dir selber Kraftgewinn,
      an dem sich wieder hundert andre stärken.
      Und so nur kannst du auch im rechten Sinn –
      selbst ein Geschaffner – für den Schöpfer werken.

      Nur wenn du selbst ein leuchtend Vorbild hast
      für rechtes, nimmermüdes Tun und Streben,
      hast du des Lebens Wert für dich erfaßt
      und kannst auch andern Lebenswerte geben.

      Es strauchelt nicht so leicht, wer vor sich sieht
      den Starken, wo Gefahren ihn bedrohen.
      Und aller kleiner Kummer – er entflieht,
      wo der Begeist`rung Strahlenfeuer lohen.

      Drum such die starken Seelen auf dem Weg,
      um den die Nebel brauen, Wogen branden.
      Dann wird dir sicher auch der schwanke Steg,
      und fröhlich wirst du selber drüben landen!

      (Verf. unbekannt)

      Bernwart

      Antworten
  42. 43

    Annegret Briesemeister

    Es hat sich gegen Liebe die Vernunft ernannt und als Empörungsfahne die Weisheit aufgesteckt. Die Liebe hat zum Angriff einen Hauch gesandt. Und die Vernunft hat zitternd das Gewehr gestreckt.

    Du bringst nichts mit hinein, du nimmst nichts mit hinaus, laß eine gold’ne Spur im alten Erdenhaus.

    Fertig bin ich allenfalls mit der Welt nun hier auf Erden. Und nichts bleibt mir übrig als, fertig mit mir selbst zu werden.

    Friedrich Rückert 1788 – 1866

    Antworten
  43. 44

    Torsten

    Werter Kurzer,

    wer die vergangenen Zeiten vergessen hat, wurzelt nicht.

    Der Minnesänger

    Heil und Segen 🌞

    Antworten
    1. 44.1

      Kurzer

      Werter Torsten,

      die Anbindung an unsere Ahnen, das armanische Wissen und die damt verbundene ERINNERUNG sind mir ein Grundanliegen.

      Accon und Beverina
      Der Kurze

      Antworten
      1. 44.1.1

        Torsten

        Werter Kurzer,

        sie sollten oder müssen unser aller Grundanliegen sein.

        Ich Danke Dir dafür!

        Heil und Segen Dir und uns!

  44. 45

    Annegret Briesemeister

    Steh‘ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.

    Hohl ist der Boden unter den Tyrannen, die Tage ihrer Herrschaft sind gezählt. Und bald ist ihre Spur nicht mehr zu finden.

    Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

    Es ist der Geist, der sich den Körper baut.

    Friedrich Schiller 1759 – 1805

    Antworten
  45. 46

    Falke

    Ich ging im Walde so für mich hin und an nichts zu denken, das war der Sinn. Doch hört ich den Wald im Wind rauschen. Was will er mir sagen, ich tat ihm lauschen.
    -Wach auf, wach auf deutscher Volksgenosse, du bist in Gefahr, man will dich und dein Volk vermuseln, das ist doch klar-.

    Spontangedanke von mir. Das muss wohl am schönen Wetter liegen. 🙂

    Allen einen schönen Sonntag Falke

    Antworten
  46. 47

    Lüne

    Deutschland

    Strophe 01

    Groß-Deutschland, Heilig Vaterland,
    Heiliger Mutterherz, Muttersprache Band,
    Groß-Deutsches Reich, Heil Dir.

    Von der Maas bis zum Memel-Land,
    von den Alpen hin zum Nordsee-Strand,
    Deutsches Heimat-Land, Heil Dir.

    Refrain 01

    Deutsches Volk stehet Dir in Einigkeit,
    zum Aufbau, zu Schutz und Trutz bereit;
    Heiliges Deutsches Reich,
    Heimat-Land Heil Dir.

    Refrain 02

    Deutsche Jugend ist lichtes Antlitz Dir,
    Ihre Tugenden Deutschem Reiches Zier;
    Heiliges Deutsches Reich,
    Heimat-Land Heil Dir.

    Lüne-Lied

    Antworten
  47. 48

    Ursula

    Wenn du mich fragst: „Auf wen darf ich in Treuen bauen?“
    Ich sage dir: „Auf die, die selber anderen trauen.“
    Und fragst du, wem zu traun dir nicht gebührt?
    Nur dem nicht, der im Munde stets Treu und Glauben führt.

    Friedrich Rückert 1788 – 1866

    Antworten
  48. 49

    Ursula

    Bergisches Heimatlied

    Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt,
    die Berge hoch ragen, der Amboß erklingt,
    wo die Quelle noch rinnet aus moosigem Stein
    die Bächlein noch murmeln im blumigen Hain,
    wo im Schatten der Eiche die Wiege mir stand,
    da ist meine Heimat, mein Bergisches Land.

    Wo die Wupper wild woget auf steinigem Weg,
    an Klippen und Klüften sich windet der Steg,
    wo der rauchende Schlot und der Räder Gebraus,
    die flammende Esse, der Hämmer Gesaus,
    verkünden und rühmen die fleißige Hand,
    da ist meine Heimat, mein Bergisches Land.

    Wo die Schwerter man schmiedet dem Lande zur Wehr,
    wo es singet und klinget dem Höchsten zur Ehr,
    wo das Echo der Lieder am Felsen sich bricht,
    die Vögel laut schmettern im sonnigen Licht,
    wo der Handschlag noch gilt als ein heiliges Pfand,
    da ist meine Heimat, mein Bergisches Land.

    wo so wunderbar wonnig der Morgen erwacht,
    im blühenden Tale das Dörfchen mir lacht,
    wo die Mägdlein so wahr und so treu und so gut,
    ihre Augen so sonnig, so feurig ihr Blut,
    wo noch Liebe und Treue die Herzen verband,
    da ist meine Heimat, mein Bergisches Land.

    Keine Rebe wohl ranket am felsigen Hang,
    kein mächtiger Strom fließt die Täler entlang,
    doch die Wälder, sie rauschen so heimisch, so traut,
    ob grünenden Bergen der Himmel sich blaut.
    Drum bin ich auch weit an dem fernesten Strand,
    schlägt mein Herz der Heimat, dem Bergischen Land.

    Wo den Hammer man schwinget mit trotziger Kraft,
    da schwingt man die Schwerter auch heldenhaft.
    Wenn das Vaterland ruft, wenn Kriegswetter braust,
    hebt kühn sich zum Streite die bergische Faust.
    Der Heimat zum Schutze, dem Feinde zur Schand,
    mit Gott für den Kaiser, fürs Bergische Land.

    Rudolf Hartkopf 1859 – 1944

    Antworten
    1. 49.1

      Bernwart

      Das Bergische Heimatlieg gesungen vom Cronenberger Männerchor

      Accon und Beverina

      Bernwart

      Antworten
  49. 50

    Annegret Briesemeister

    Spar deinen Wein nicht auf für morgen.
    Sind Freunde da, so schenke ein.
    Leg was du hast in ihre Mitte.
    Durchs Schenken wird man reich allein.

    Spar nicht mit deinen guten Worten.
    Wo man was totschweigt, schweige nicht.
    Und wo nur leeres Stroh gedroschen,
    da hat dein gutes Wort Gewicht.

    Spar deine Liebe nicht am Tage
    für’n paar Minuten in der Nacht.
    Hol sie aus ihrer Dunkelkammer,
    dann zeigt sie ihre Blütenpracht.

    Spar deinen Mut nicht auf für später,
    wenn du mal “ was ganz Großes “ bist.
    Dein kleiner Mut hilft allen weiter,
    weil täglich Mut vonnöten ist.

    Spar deinen Wein nicht auf für morgen.
    Sind Freunde da, so schenke ein.
    Leg was du hast in ihre Mitte.
    Durchs Schenken wird man reich allein.

    Gerhard Schöne Liedermacher

    Antworten
  50. 51

    Torsten

    Abenddämmerung

    Am blassen Meeresstrande
    Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
    Die Sonne neigte sich tiefer, und warf
    Glührote Streifen auf das Wasser,
    Und die weißen, weiten Wellen,
    Von der Flut gedrängt,
    Schäumten und rauschten näher und näher –
    Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
    Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
    Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen –
    Mir war, als hört ich verschollne Sagen,
    Uralte, liebliche Märchen,
    Die ich einst, als Knabe,
    Von Nachbarskindern vernahm,
    Wenn wir am Sommerabend,
    Auf den Treppensteinen der Haustür,
    Zum stillen Erzählen niederkauerten,
    Mit kleinen horchenden Herzen
    Und neugierklugen Augen; –
    Während die großen Mädchen,
    Neben duftenden Blumentöpfen,
    Gegenüber am Fenster saßen,
    Rosengesichter,
    Lächelnd und mondbeglänzt.

    Heinrich Heine

    Antworten
  51. 52

    Torsten

    Wer den Deutschen Geist lesen möchte

    Heil und Segen sind mit uns!⚡️✨🌞

    Antworten
  52. 53

    Annegret Briesemeister

    Es ist nicht erstaunlicher zweimal geboren zu werden, alles einmal.

    Wir wollen uns dessen aber nicht rühmen, daß wir die Ältesten sind, sondern darauf bedacht sein, stets die Gerechtesten zu sein.

    Voltaire 1694 – 1778

    Antworten
  53. 54

    Andrea

    Mein liebes Kind,

    vergiss es nie, dass du lebst war keine eigene Idee und
    dass du atmest kein Entschluss von dir.
    Vergiss es nie, dass du lebst war eines anderen Idee
    und dass du atmest, sein Geschenk an dich.
    Vergiss es nie, niemand denkt und fühlt und
    handelt wie du und niemand lächelt, so wie du es gerade tust.
    Vergiss es nie, niemand sieht den Himmel ganz genau wie du
    und niemand hat je, was du weißt, gewusst.
    Vergiss es nie, dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt
    und solche Augen hast alleine du.
    Vergiss es nie, du bist reich, egal ob mit oder ohne Geld,
    denn du kannst leben, niemand lebt wie du.

    Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur.
    Ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur,
    du bist ein Gedanke Gottes und ein genialer noch dazu!

    Dein Papa
    Was für ein Hochmut zu glauben, ein Gedanke Gottes sei verbesserungsnotwendig

    Widmung aus dem Buch von Stefan Lanka – Die Impflüge

    Antworten
  54. 55

    Kurzer

    Nur liebend ist dein Herz ein Herz

    Was ist die Welt, wenn sie mit dir,
    durch Liebe nicht verbunden?
    Was ist die Welt, wenn du in ihr,
    nicht Liebe hast gefunden?
    Verklage nicht in deinem Schmerz
    des Herzens schönste Triebe.
    Nur liebend ist dein Herz ein Herz,
    was wär’ es ohne Liebe?
    Wenn du die Liebe nicht gewannst,
    wie kannst du es ermessen,
    ob du ein Glück gewinnen kannst,
    ob du ein Glück besessen?

    Von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

    Antworten
  55. 56

    Ursula

    Lied eines Vaters

    Und wie ich heute von dir ging,
    werd ich auch einmal von dir gehn.
    Und du wirst nach mir suchen, Kind,
    und du wirst mich nicht wiedersehn.

    Dann neig dein Ohr zur Erde tief
    und lausch dem großen Abschiedschor
    der seit Geschlechtern nach dir rief,
    und unvernehmlich deinem Ohr.

    Und horche tief und horche lang
    der alten Weisheit deines Bluts,
    der Mütter Leid, der Väter Sang,
    und werde wieder freien Muts.

    Dann öffne deiner Ehrfurcht Schrein,
    und heb mit deiner jungen Hand
    verjährtes Kleinod still hinein
    und hüt es vor des Tages Tand.

    Und recke dich dann glaubensvoll
    und wisse, daß ein Wille lebt,
    der alles, was aus Liebe quoll,
    von Herzen hin zu Herzen hebt
    .

    Hermann Claudius 1878 – 1980

    Antworten
  56. 57

    Artur & Berta

    Erster Band der Werke (Ausgabe 1819)

    Matthias Claudius (1740–1815)

    Antworten
  57. 58

    Annegret Briesemeister

    Seid Menschen, so werden euch die Menschenrechte von selbst zufallen.

    Wo echter Hang zum Nachdenken, nicht bloß zum Denken dieses oder jenes Gedanken herrscht, da ist auch ein Fortschreiten.

    Niemals verdirbt jemand mit fröhlichem Herzen.

    Der Mensch besteht in der Wahrheit. Gibt er die Wahrheit preis, so gibt er sich selbst preis. Wer die Wahrheit verrät, verrät sich selbst.

    Novalis 1772 – 1801

    Antworten
  58. 60

    Annegret Briesemeister

    Deutsche Worte hör‘ ich wieder,
    sei gegrüßt mit Herz und Hand,
    Land der Freude, Land der Lieder,
    schönes heit’res Vaterland.
    Fröhlich kehr‘ ich nun zurück,
    Deutschland du mein Trost, mein Glück.

    O wie sehnt‘ ich mich so lange
    doch nach dir, du meine Braut.
    Und wie ward mir freudgebange,
    als ich wieder dich erschaut.
    Weg mit wälschem Lug und Tand,
    Deutschland ist mein Vaterland.

    Alles Guten, alles Schönen,
    reiche sel’ge Heimat du.
    Fluch den Fremden die dich höhnen,
    Fluch den Feinden deiner Ruh‘.
    Sei gegrüßt mit Herz und Hand,
    Deutschland du mein Vaterland.

    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

    Antworten
  59. 61

    Annegret Briesemeister

    Zufall und Schicksal

    Ich Bin dein Zufall,
    Bin, was dir zu – fällt
    nach geheimem Gesetz.

    Dein Unvermeidbares
    dein Schick – sal.
    Ich schicke dir Salus – >> Heil <<
    auch wenn du das
    nicht gleich erkennst.

    Schick – sal ist
    das Salz des Lebens
    mit dem du die Suppe würzt,
    die du auslöffelst.

    Ge – schick ist,
    was du dir schickst
    in Gedanken, die du nicht kennst,
    weil du vermeidest,
    sehend zu werden.

    Stehst du verwundert
    oder erschrocken
    vor schlechter Ernte,
    so ändere die Wahl
    deines Saatgutes
    das Ich Bin.

    Begiesse mit Liebe,
    was du gepflanzt.
    Und ernähre mit Dank
    den sprossenden Keim.

    Du erntest die Frucht
    deiner Wünsche.

    Aus dem Buch " GÖTTLICHE HOMÖOPATHIE – vom notwendigen Erwachen im 3. Jahrtausend " Autor des Buches ist Peter Raba

    Antworten
  60. 62

    Annegret Briesemeister

    Hoffnung

    Es reden und träumen die Menschen viel,
    von besser’n künftigen Tagen.
    Nach einem glücklichen goldenen Ziel
    sieht man sie rennen und jagen.
    Die Welt wird alt und wird wieder jung,
    doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

    Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
    sie umflattert den fröhlichen Knaben.
    Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
    sie wird mit dem Greis nicht begraben.
    Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
    noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.

    Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
    erzeugt im Gehirne des Toren.
    Im Herzen kündet es laut sich an,
    zu was Besser’m sind wir geboren.
    Und was die innere Stimme spricht,
    das täuscht die hoffende Seele nicht
    .

    Friedrich Schiller 1759 – 1805

    Antworten
  61. 63

    Ursula

    Soldatengebet

    Herrgott, mit Worten sind wir karg.
    Hör gnädig unser Beten nun:
    Mach uns die Seele hart und stark.
    Das andre wolln wir selber tun.

    Behüt daheim die stille Frau,
    wenn sie in dunkler Nacht sich härmt.
    Entzünd den Stern im hohen Blau,
    daß ihr sein Trost das Herz erwärmt.

    Behüt den Führer und das Land,
    die Kinder laß in Frieden ruhn.
    Wir geben sie in deine Hand,
    das andre wolln wir selber tun.

    Gerhard Schumann 1911 – 1995

    Antworten
  62. 64

    Ursula

    Verrat

    Als aller Übeltaten
    verruchteste ich fand,
    wer seinen Freund verraten
    oder sein Vaterland.

    Wie es auch um dich stünde,
    und wer du immer seist.
    Verrat, das ist die Sünde
    wider den heiligen Geist.

    Und was wir sonst im Leben
    vergessen und verzeihn,
    Verrat wäscht kein Vergeben
    und kein Bereuen rein.

    Bogislaw von Selchow 1877 – 1943

    Antworten
  63. 65

    Annegret Briesemeister

    Wer das Glück hat, in seiner Kindheit und Jugend mit guten, echten, selbststrengen Menschen umzugehen, der wird von selbst gut und echt.

    Ich schätze höher das Natürliche als das Gemachte, das Ländliche höher als das Städtische, die Einfachheit höher als den Prunk, die Taten höher als das Wissen, das Herz höher als den Geist.

    Du wirst Freud und Leid haben, wie jeder Mensch auf dieser Welt; du wirst umso mehr Freud und Leid haben, je inniger du die deinen liebst; aber eine solche Freude wird dich glücklich und ein solches Leid wird dich groß machen.

    Peter Rosegger 1843 – 1918

    Antworten
  64. 66

    Kurzer

    In der Schöpfung glüht das Sehnen
    Wundersam und tröstungsvoll…
    Wie aus bangen Liebestränen
    Wohl Erfülltes werden soll?

    Werden ist`s, das All sich nannte-
    Anfang hier in Ewigkeit –
    Ewig brennt es, immer brannt es
    Menschenlos nennt`s „Raum und Zeit“
    .

    Verfasser unbekannt

    Antworten
  65. 67

    Annegret Briesemeister

    Zusammenhang

    Aus lang verschwundener Völker Lieder her
    klingt oft ein Ton verwandt uns bis ins Herz,
    daß wir betroffen und mit halbem Schmerz
    hinüberlauschen, ob dort Heimat wär.

    So auch ist unseres Herzschlags Ab und Auf
    in festem Bann geknüpft ans Herz der Welt,
    das unsern Schlaf und unser Wachen hält
    im Einklang mit der Sonn‘ und Sterne Lauf.

    Und unsrer wildesten Wünsche trübe Flut
    und unsrer frechsten Träume Fieberbrand,
    ist Geist vom Urgeist, der noch nie geruht.

    So geh’n wir, unsre Fackeln in der Hand,
    gezeugt, genährt von uralt heiliger Glut
    und ewig neuen Sonnen zugewandt.

    Hermann Hesse
    aus dem Gedichtband “ Das Lied des Lebens“

    Antworten
  66. 68

    Heidr

    Ecce homo

    Ja, ich weiß, woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    Glühe und verzehr ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!

    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)

    Antworten
  67. 69

    Annegret Briesemeister

    Teile von deinem geistigen Wesen, denen, die mit dir auf dem Weg sind, soviel mit, als du kannst. Und nimm als etwas Kostbares hin, was dir von ihnen zurückkommt.

    Albert Schweitzer

    Antworten
  68. 70

    Annegret Briesemeister

    Wird den Winden auch zum Raube, was ein Staubessohn geschrieben, sei es gleich dem Blütenstaube, der befruchtet im Zerstieben.

    Wer sich an Andere hält, dem wankt die Welt. Wer auf sich selber ruht, steht gut.

    Lass dich’s nicht verstießen, verschmäht man anfangs deine Gaben. Der Fluß muß lange fließen, bevor er sich ein Bett gegraben.

    Fordere kein lautes Anerkennen!
    Könne was und man wird dich kennen.

    Solang du schimpfst und tobst, und selbst, bleibst du dem Volk erfreulich. Doch wenn du einfach Recht behältst, finden sie’s unverzeihlich.

    Paul Heyse
    deutscher Schriftsteller
    1830 – 1914

    Antworten
  69. 71

    Annegret Briesemeister

    Beim Läuten der Glocken:
    das Schöne bewundern,
    das Wahre behüten,
    das Edle verehren,
    das Gute beschließen.
    Es führet den Menschen im Leben zu Zielen,
    im handeln zum Rechten,
    im fühlen zum Frieden,
    im denken zum Lichte;
    und lehrt ihn vertrauen auf göttliches Walten in Allem was ist:
    im Weltenall, im Seelengrund.

    Rudolf Steiner 1861 – 1925

    Antworten
  70. 72

    Annegret Briesemeister

    Frei muss ich denken, sprechen und atmen Gottes Luft. Und wer die drei mir raubet, der legt mich in die Gruft.

    Adelbert von Chamisso

    Antworten
  71. 73

    Annegret Briesemeister

    Manchmal

    Manchmal, wenn ein Vogel ruft
    oder ein Wind geht in den Zweigen. oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
    dann muss ich lange lauschen und schweigen.

    Meine Seele flieht zurück,
    bis wo vor tausend vergessenen Jahren
    der Vogel und der wehende Wind
    mir ähnlich und meine Brüder waren.

    Meine Seele wird ein Baum
    und ein Tier und ein Wolkenweben.
    Verwandelt und fremd kehrt sie zurück.
    Und fragt mich.
    Wie soll ich Antwort geben?

    Hermann Hesse

    Antworten
  72. 74

    Ursula

    Wir heben unsre Hände
    aus tiefster, bittrer Not.
    Herr Gott, den Führer sende,
    der unsern Kummer wende
    mit mächtigem Gebot.

    Erwecke uns den Helden,
    den seines Volks erbarm;
    des Volks, das nachtbeladen
    verkauft ist und verraten
    in unsrer Feinde Arm.

    Erwecke uns den Helden,
    der stark in aller Not,
    sein Deutschland mächtig rühret,
    sein Deutschland gläubig führet
    ins junge Morgenrot..

    Wir weihen Wehr und Waffen
    und Haupt und Herz und Hand!
    Laß nicht zuschanden werden
    dein lichtes Volk auf Erden
    und meiner Mutter Land.

    Ernst Leibl 1895 – 1982

    Antworten
  73. 75

    Ursula

    Wir Bauern

    Wir alle durch Blut und Boden verwandt,
    wir pflügen alle dasselbe Land,
    wir essen alle dasselbe Brot,
    wir tragen alle dieselbe Not,
    wir kämpfen alle mit gleichem Schwert,
    für unseren Acker, für Hof und Herd!
    Ein Hassen, ein Lieben, ein heißes Gebet,
    ein Glaube, der alle Stürme besteht,
    ein Wille, der all unser Schaffen beseelt,
    ein Herz, das in Leid und Entbehrung gestählt:
    Wir alle sind eins. Und ist keiner mehr „Ich“.
    Ein Leben, ein Sterben, mein Volk, für dich!

    Annemarie Koeppen 1899 – 1940

    Antworten
  74. 76

    Bernwart

    GLAUBE (Hans Venatier)

    Oft hab` ich betrübte Stunden,
    da glaub` ich nicht mehr daran,
    daß Deutschland wieder gesunden
    und weiterleben kann.

    Dann möcht` ich zusammensinken,
    bin krank an Leib und Seel`.
    Gebt mir den Schierling zu trinken,
    daß ich mich von dannen stehl`!

    O, schlafen, schlafen, schlafen,
    nichts denken, nichts reden, nichts tun —
    Der Tod allein ist der Hafen,
    wo Schiffer und Schiffe ruh`n.

    Doch innen, im Herzen tief innen,
    wo all die Asche liegt,
    da glüht noch ein funkelndes Sinnen,
    das gibt sich nicht besiegt.

    So wartet das Feuer im Herde,
    eh` noch der Wind sich gerührt,
    bis plötzlich ein flammendes WERDE
    die neuen Lichter gebiert!

    Mit deutschem Gruß!

    Bernwart

    Antworten
  75. 77

    Annegret Briesemeister

    Was ihr euch, Gelehrte, für Geld nicht erwerbt, das hab‘ ich von meiner Frau Mutter geerbt.

    Es ist nicht wahr, daß Kanonen mehr vermögen, als Worte und Gedanken.

    Die Liebe sagt: verdammet nicht, daß man euch nicht verdammet.

    Was Hänschen versäumt, holt Hans nicht mehr ein.

    Die Muttersprache kann zu allem übrigen sagen: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer mich verachtet, der wird wieder verachtet von seinem Zeitalter und schnell vergessen von der Nachwelt.

    Viel Klagen hör‘ ich oft erheben, vom Hochmut, den der Große übt. Der Großen Hochmut wird sich geben, wenn unsre Kriecherei sich gibt.

    Gottfried August Bürger 1747 – 1794

    Antworten
  76. 78

    Bernwart

    Aus dem Walde ( Emanuel Geibel )

    Mit dem alten Förster heut
    bin ich in den Wald gegangen,
    während hell im Festgeleut
    aus dem Dorf die Glocken klangen.

    Golden floss ins Laub der Tag,
    Vöglein sangen Gottes Ehre,
    fast, als ob der ganze Hag
    wüßte, daß es Sonntag wäre.

    Und wir kamen ins Revier,
    wo, umrauscht von alten Bäumen,
    junge Stämmlein sonder Zier
    sprossten auf besonnten Räumen.

    Feierlich der Alte sprach:
    “ Siehst du über unsern Wegen
    hochgewölbt das grüne Dach?
    Das ist unsrer Ahnen Segen.

    Denn es gilt ein ewig Recht,
    wo die hohen Wipfel rauschen;
    von Geschlecht zu Geschlecht
    geht im Wald ein ewig Tauschen.

    Was uns not ist, uns zum Heil
    ward`s gegründet von den Vätern;
    aber das ist unser Teil,
    daß wir gründen für die Spätern.

    Drum im Forst auf meinem Stand
    ist mir`s oft, als böt ich linde
    meinem Ahnherrn diese Hand,
    jene meinem Kindeskinde.

    Und sobald ich pflanzen will,
    pocht das Herz mir, daß ich`s merke,
    und ein frommes Sprüchlein still
    muß ich beten zu dem Werke.

    Schütz euch Gott, ihr Reiser schwank!
    Mögen unter euren Kronen,
    rauscht ihr einst den Wald entlang,
    Gottesfurcht und Freiheit wohnen!

    Und ihr Enkel, still erfreut,
    mögt ihr dann mein Segnen ahnen
    wie`s mit frommem Dank mich heut
    an die Väter will gemahnen.“

    Wie verstummt im Gebet
    schwieg der Mann, der tiefergraute,
    klaren Auges, ein Prophet,
    welcher vorwärts, rückwärts schaute.

    Segnend auf die Stämmlein rings
    sah ich dann die Händ` ihn breiten;
    aber in den Wipfeln ging`s
    wie ein Gruß aus alten Zeiten
    .

    ————————-

    LG.
    Bernwart

    Antworten
  77. 79

    Bernwart

    Etwas über den deutschen Bundestag. Es hat sich leider bis heute nichts geändert; egal ob er in Frankfurt a. Main tagt, oder in Berlin:

    Der Βundestag

    Zu Frankfurt in der alten Stadt am Maine,
    Da liegt ein wirrer Knäul von vielen Schlangen,
    Auf ihren Häuptern goldne Krönlein prangen:
    Sie hüten einen Hort, um den ich weine.
    Denn dort, vergraben unter einem grauen Steine,
    Ein Kleinod liegt, zu dem wir nie gelangen:
    Der deutschen Stämme Hoffen und Verlangen,
    Daß Recht und Freiheit endlich sie vereine.
    Mit gift’gem Biß zerfleischen sich die Drachen,
    Treulos und falsch, in ihrem eignen Blute,
    So lang kein Richter naht, den Schatz zu retten.
    Dann aber einen sich die gift’gen Rachen! –
    Wann kommt der Held von echtem Siegfriedsmute,
    Der auseinander schlägt die Schlangenketten?

    Felix Dahn (1856)

    Mit reichstreuem Gruß!
    Bernwart

    Antworten
  78. 80

    Ursula

    Die wirre Welt

    Die wirre Welt, die taumelnden Gestalten,
    dies alles, was in kaum erhellter Nacht
    an unsrem Ohr vorüber weint und lacht,
    ich sucht es oft, verstand es nie zu halten.

    Nun leuchtet Liebe in den Kern der Dinge,
    und alles Trübe glänzt mir schön und klar.
    Das lang Verhüllte zeigt sich offenbar.
    Nichts ist verworren. Nichts ist mehr geringe.

    Will Vesper 1882 – 1962

    Antworten
  79. 81

    Annegret Briesemeister

    Ich glaube an die Wahrheit, sie zu suchen, nach ihr zu forschen in und um uns, muss unser höchstes Ziel sein. Damit dienen wir dem Gestern und dem Heute. Ohne Wahrheit gibt es keine Sicherheit und keinen Bestand. Fürchtet es nicht wenn die ganze Meute aufschreit, denn nichts ist auf der Welt so gehasst und gefürchtet wie die Wahrheit. Letzten Endes wird jeder Widerstand gegen die Wahrheit zusammenbrechen, wie die Nacht vor dem Tag.

    Theodor Fontane

    Antworten
  80. 82

    Bernwart

    Die Höhe halten

    Was schon besagts, die Höhe zu ersteigen,
    das Erbe unsrer Väter in der Hand,
    die eingegangen in das große Schweigen?
    Nur wenn wir ihrer würdig uns erzeigen,
    bleibt das auf uns Gekommene von Bestand!

    Wie werden ird`sche Güter rasch vernichtet
    durch Prasserei und feilen Müßiggang!
    Nur harter Fleiß, den Blick aufs Ziel gerichtet,
    nur Schöpferische Tat, dem Volk verpflichtet,
    bewahrt vor sonst verdientem Niedergang.

    Weh, wenn wir zuchtlos, innerlich zerspalten,
    hohlköpfig huldigen dem äußeren Schein,
    statt geistig Erbgut mehrend zu verwalten!
    Auf eins nur kommt es an: Die Höhe halten
    im Menschlichen, und anderen Beispiel sein!

    (Heinrich Anacker)

    Heil und Segen

    Bernwart

    Antworten
  81. 83

    Bernwart

    Einer muss wachen für Alle

    Einer muss wachen für Alle –
    morgen wie gestern und heut`,
    Einer muss wachen für Alle,
    wie das Gesetz es gebeut.

    Wachen heißt späh`n in die Ferne,
    horchen ins Dunkel hinein.
    Wachen heißt kreisender Sterne
    stummer Gefährte zu sein.

    Wachen heißt Einsamkeit kosten,
    wie ein bitterer Trank –
    aber dem sinnenden Posten
    quillt daraus Erkenntnis und Dank.

    Einer muss wachen für Alle,
    innig vertraut mit der Nacht …
    Einer muss wachen für Alle –
    wohl dem, der reift auf der Wacht!

    (Heinrich Anacker)

    Antworten
  82. 84

    Annegret Briesemeister

    Unsere Seele muss sterben, sagst du,
    wenn der Körper stirbt.
    Hast du eine innere Kraft je sterben sehen?
    Nur das Äußere, Zusammengesetzte
    sahst du zerfallen.
    Was in mir lebt, mein Lebendigstes,
    mein Ewiges kennt keinen Untergang.
    Kein Tod ist in der Schöpfung,
    nur Verwandlung.
    Wenn die Hülle beim Tode wegfällt,
    bleibt die Kraft,
    die schon vor dieser Hülle existierte.

    Johann Gottfried Herder

    Antworten
  83. 85

    Ursula

    An die Vermissten

    Kehrt wieder! Wenn auch spät im Abendschein,
    wenn letzter Vogellaut erstirbt, das müde Blatt vom Baume fällt.
    Ihr seid doch unsere Welt
    und bleibt doch unsere Welt!

    Kehrt wieder! Wenn auch mit verhaltenem Schritt
    und ohne die vertraute Spur, die längst verweht der Wind.
    Kind bleibt doch Kind
    der Mutter, die nun schon die Jahre zählt.

    Die Sterne, die wir abendlich befragten, wußten nichts von euch,
    der Mond, den wir beschworen, schwieg sich aus.
    Leer blieb das Haus
    und leer das Herz, das immerdar euch sucht.

    Die Hände finden dies und das,
    ein Spielzeug hier, dort ein zerrissener Schuh.
    Es blieb uns nichts als dies zum Trost
    in Nächten ohne Ruh.

    Kehrt wieder! Ihr aus unserem Blut,
    Ihr unserer kargen Liebe hoher Lohn.
    Wo bist du, Sohn? Empfangen einst
    aus unbekannten Reichen hold entfachter Glut.

    Die Ferne dehnt sich hin zur Ewigkeit,
    und das Vergessen müssen wir dem Tag entreißen,
    damit, wenn jener kommt, wir euch willkommen heißen,
    als wäre nichts geschehen.

    Kehrt wieder! Weil doch alles wiederkehrt auf dieser Welt;
    Der Mond, die Sterne, Hoffnung und Gebet,
    Der Lippe Schmachten und des Auges Durst, oh hört1
    Kehrt wieder, ehe es zu spät.

    Ilse Molzan 1895 – 1981

    Antworten
  84. 86

    Torsten

    Adler und Taube

    Ein Adlersjüngling hob die Flügel
    Nach Raub aus;
    Ihn traf des Jägers Pfeil und schnitt
    Der rechten Schwinge Sennkraft ab.
    Er stürzt‘ hinab in einen Myrtenhain,
    Fraß seinen Schmerz drei Tage lang,
    Und zuckt‘ an Qual
    Drei lange, lange Nächte lang:
    Zuletzt heilt ihn
    Allgegenwärt’ger Balsam
    Allheilender Natur.
    Er schleicht aus dem Gebüsch hervor
    Und reckt die Flügel – ach!
    Die Schwingkraft weggeschnitten –
    Hebt sich mühsam kaum
    Am Boden weg
    Unwürd’gem Raubbedürfniß nach,
    Und ruht tieftrauernd
    Auf dem niedern Fels am Bach;
    Er blickt zur Eich‘ hinauf,
    Hinauf zum Himmel,
    Und eine Thräne füllt sein hohes Aug‘.

    Da kommt muthwillig durch die Myrtenäste
    Daher gerauscht ein Taubenpaar,
    Läßt sich herab, und wandelt nickend
    Ueber gold’nen Sand und Bach,
    Und ruckt einander an;
    Ihr röthlich Auge buhlt umher,
    Erblickt den Innigtrauernden.
    Der Tauber schwingt neugiergesellig sich
    Zum nahen Busch, und blickt
    Mit Selbstgefälligkeit ihn freundlich an.
    Du trauerst, liebelt er,
    Sey guten Muthes, Freund!
    Hast du zur ruhigen Glückseligkeit
    Nicht alles hier?
    Kannst du dich nicht des gold’nen Zweiges freun,
    Der vor des Tages Gluth dich schützt?
    Kannst du der Abendsonne Schein
    Auf weichem Moos am Bache nicht
    Die Brust entgegen heben?
    Du wandelst durch der Blumen frischen Thau,
    Pflückst aus dem Ueberfluß
    Des Waldgebüsches dir
    Geleg’ne Speise, letzest
    Den leichten Durst am Silberquell, –
    O Freund, das wahre Glück
    Ist die Genügsamkeit,
    Und die Genügsamkeit
    Hat überall genug.
    O Weise! sprach der Adler, und tief ernst
    Versinkt er tiefer in sich selbst,
    O Weisheit! Du redst wie eine Taube!

    Johann Wolfgang von Goethe . 1749 – 1832

    Antworten
  85. 87

    Ursula

    Junge Frau in Erwartung

    Draußen weht an deinen wachen Sinnen
    Lärm der Welt vorüber und verrauscht
    ohne Nachhall deinem Ohr, es lauscht
    ganz verzaubert tief nach innen.

    Sei dem Tage, da du jäh erblaßtest
    vor dem Schicksal und dem großen Glück,
    brausend strömte all dein Blut zurück,
    daß du zitternd nach dem Herzen faßtest.

    Kann kein Mann begreifen, was du weißt
    und mit deinem Lächeln still besiegelst;
    wie du, atmend, dich lebendig spiegelst,
    weil dein Blutstrom zwiefach in dir kreist.

    Keiner, der wie du erschauernd spürte
    tief geborgen zarter Glieder Spiel,
    seit der Stunde, da es Gott gefiel
    und der Engel deine Stirn berührte.

    Hans Thyriot 1898 – ?

    Antworten
  86. 88

    Artur & Berta

    Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
    du mein tieftiefes Leben;
    dass du weißt, was der Wind dir will,
    eh noch die Birken beben.
    Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
    lass‘ deine Sinne besiegen.
    Jedem Hauche gib dich, gib nach,
    er wird dich lieben und wiegen.
    Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
    dass dir das Leben gelinge,
    breite dich wie ein Feierkleid
    über die sinnenden Dinge.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  87. 89

    Annegret Briesemeister

    Zeitzeichen

    So groß war dieses Schweigen,
    daß es festwuchs
    in den Ecken,
    alle Winde überdeckte.
    Langsam fiel
    das Licht.
    Kann ein Wort die Stille bannen,
    sprich es,
    sprich es schnell.

    Sabine Kühn

    Antworten
  88. 90

    Bernwart

    Der alte Barbarossa ( Friedrich Rückert)

    Barbarossa

    Der alte Barbarossa,
    Der Kaiser Friederich,
    Im unterirdschen Schlosse
    Hält er verzaubert sich.

    Er ist niemals gestorben,
    Er lebt darin noch jetzt;
    Er hat im Schloß verborgen
    Zum Schlaf sich hingesetzt.

    Er hat hinabgenommen
    Des Reiches Herrlichkeit,
    Und wird einst wiederkommen,
    Mit ihr, zu seiner Zeit.

    Der Stuhl ist elfenbeinern,
    Darauf der Kaiser sitzt;
    Der Tisch ist marmelsteinern,
    Worauf sein Haupt er stützt.

    Sein Bart ist nicht von Flachse,
    Er ist von Feuersglut,
    Ist durch den Tisch gewachsen,
    Worauf sein Kinn ausruht.

    Er nickt als wie im Traume,
    Sein Aug’ halboffen zwinkt;
    Und je nach langem Raume
    Er einem Knaben winkt.

    Er spricht im Schlaf zum Knaben:
    Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
    Und sieh, ob noch die Raben
    Herfliegen um den Berg.

    Und wenn die alten Raben
    Noch fliegen immerdar,
    So muß ich auch noch schlafen
    Verzaubert hundert Jahr.

    Accon und Beverina

    Bernwart

    Antworten
    1. 90.1

      Der Wolf

      Hier eine sehr starke Musikfassung dazu (es gab zur selben musikalischen Fassung schon einmal ein besseres Video, aber ich finde es leider nicht mehr); dennoch, einfach mal reinhören:

      Accon und Beverina

      Antworten
  89. 91

    Bernwart

    Deutsche Zukunft

    Und wenn sie alle weichen,
    wenn menschenleer das Feld,
    wenn von den deutschen Eichen
    der letzte Stamm zerschellt,
    wenn todeswund in Scherben
    das letzte Schwert zersprang,
    ich glaube nicht an Sterben
    und nicht an Untergang.
    Ob sich die Gegner wiegen
    in trunk`ner Siegesgier:
    Sie mögen heute siegen,
    doch morgen siegen wir!

    (Bogislav von Selchow)

    MdG.

    Bernwart

    Antworten
  90. 92

    Ursula

    Die Eichensaat

    „Herr Ritter, den Acker, den ihr da habt,
    hat euer Ahnherr dem Kloster vergabt,
    der selig in Gott entschlafen.
    Der Acker gehört zu des Klosters Trift!
    Darüber haben wir Siegel und Schrift
    von jenem Edlen und Braven.“

    „Ihr Herren, was schiert mich Siegel und Brief!
    Mein Ahne, der in dem Herrn entschlief,
    der konnte ja gar nicht schreiben!
    Im Klostergarten wächst Kohl und Kraut,
    der Acker, den meine Väter gebaut,
    muß ihren Enkeln verbleiben!“

    Sie trugen die Schrift vor ein geistlich Gericht:
    „Da fehlt auch das letzte Tüttelchen nicht,
    der Acker gehört der Kartause.“
    Es lächelt der Abt und der Prior,
    der Ritter kratzte sich hinterm Ohr
    und ging bekümmert nach Hause.

    Doch nach drei Tagen oder vier,
    da schellt er an des Klosters Tür,
    „ihr Herren, ich hätt eine Bitte!
    Gewährt mir eine Breve zu dieser Frist,
    daß ich das Feld, eh es euer ist,
    noch einmal säe und schnitte.“

    Sie schrieben mit Lachen das Pergament.
    „Ein Frühling und Sommer sind bald zu End,
    und mög euch der Weizen gedeihen!“
    Der Ritter schmunzelte unterm Hut:
    „Gott woll euch bis dahin geduldigen Mut
    und langes Leben verleihen.“

    Und als nun der Frühling im Tale lag,
    die Mönche spähten von Tag zu Tag,
    es zog kein Pflüger zum Acker.
    „Herr Ritter, was säet ihr doch so spät?“
    Da lachte Herr Jörgen: „Die Saat ist gesät
    und keimt und treibt auch schon wacker.“

    Es lag auf den Feldern ein rötlicher Schein.
    „Herr Ritter, ihr sätet wohl Eicheln hinein?“
    „Das tät ich mit Willen, eur Lieben.“
    Der Abt nach Gesetz und Gerichten rief.
    Herr Jörgen langte Siegel und Brief:
    „Geschrieben ist aber geschrieben.“

    Und als der Abt auf der Bahre lag,
    da standen die jungen Eichen im Tag
    wie schlanke Knaben im Felde.
    Und als Herr Jörgen den Abschied gab,
    da gruben im Eichenwald sie sein Grab,
    im dunkelgrünen Gezelte.

    Als aber der finstere Schnitter, der Tod,
    den letzten Mönch einst zur Ernte entbot,
    wohl unter ein Kreuzlein im Garten,
    da stand die Saat von des Ritters Hand
    und ragte mit riesigen Kronen ins Land,
    um ihres Mähders zu warten.

    Anna Schieber 1867 – 1945

    Antworten
  91. 93

    Irmgard

    Ein Gedicht von mir vom 12.3.2018

    Zeit der Befreiung

    Mit den Lügen zu leben vermag ich nicht mehr.
    Sie verdunkeln das Licht und belasten uns schwer.
    Drum erwachet und seht, was sich wirklich dort zeigt,
    wo der Mensch vor den Mächt’gen sein Haupt nicht mehr neigt.

    Wahre Größe und Stärke, die Strahlkraft der Herzen,
    lagen lange verborgen unter Schuldwahn und Schmerzen.
    Wir woll’n uns befreien, uns selbst nun erkennen,
    uns von Lügen, Verachtung, Bevormundung trennen.

    Als göttliche Wesen sind wir Schöpfer zugleich,
    und erschaffen ein leuchtendes Deutsches Reich.
    Für alle zur Freude erblüht neue Kraft,
    die Wohlstand und Frieden der ganzen Welt schafft.

    So steh’n wir zusammen mit Kindern und Ahnen,
    erheben den Ursprung, zeigen stolz uns’re Fahnen.
    Wir setzen die Grenzen, die unserm Ziel nützen,
    danken himmlischen Mächten, die stets uns beschützen.

    Wir reichen die Hände uns, tanzen und singen.
    Vereint wird die Zeitenwende gelingen.
    Auf, regt Euch! Ein Jeder tu‘, was er kann.
    Denn wichtig und wertvoll sind Frau, wie auch Mann.

    Die Verbindung von Herz zu Herz, ja, sie trägt.
    Und mit Liebe wird lichtvolle Zukunft gesät.
    Es wird uns gelingen, mit Bewußtheit und Mut.
    Vertrauet dem Leben, und alles ist gut.

    Antworten
  92. 94

    Annegret Briesemeister

    Nacht

    Ich habe meine Kerze ausgelöscht;
    zum offenen Fenster strömt die Nacht herein,
    umarmt mich sanft
    und lässt mich ihren Freund und Bruder sein.

    Wir beide sind am selben Heimweh krank;
    wir senden ahnungsvolle Träume aus
    und reden flüsternd von der alten Zeit
    in unseres Vaters Haus.

    Hermann Hesse

    Antworten
    1. 94.1

      Bernwart

      Heil Euch Kameradinnen und Kameraden!

      Welch wunderbare Gedichte habt ihr hier hinein gestellt.
      Da stellt sich die Frage: „Wer gab den Dichtern die Gabe, die Intuition so etwas zu verfassen?“

      Heinrich Anacker hat sich auch diese Frage gestellt und zu Papier gebracht:

      Das Werkzeug

      Zuweilen berührt mich ein Schauer im Schreiben,
      als führt ein Andrer mir heimlich die Hand,
      ein Größ`rer, enthoben dem irdischen Treiben,
      der ständig – auf daß ich sein Werkzeug soll bleiben-
      unsichtbar gebietend dicht hinter mir stand.

      Ein Seher mit tausendjährigen Augen,
      die alles, was war und was ist, schon gesehn –
      die selbst zum Durchdringen der Nächte noch taugen
      und tief in die kommenden Dinge sich saugen,
      die einmal in fernen Äonen geschehn.

      Alaf Sal Fena!

      Bernwart

      Antworten
  93. 95

    Annegret Briesemeister

    Bücher

    Alle Bücher dieser Welt
    bringen dir kein Glück,
    doch sie weisen dich geheim
    in dich selbst zurück.

    Dort ist alles, was du brauchst,
    Sonne, Stern und Mond,
    denn das Licht, danach du frugst,
    in dir selber wohnt.

    Weisheit, die du lang gesucht
    in den Bücherein,
    leuchtet jetzt aus jedem Blatt-
    denn nun ist sie dein.

    Hermann Hesse

    Antworten
  94. 96

    Markward

    Pfälzer Lied

    Am deutschen Strom, am grünen Rheine
    ziehst du dich hin, o Pfälzerland!
    Wie lächelst du im Frühlingsschmucke,
    wie winkt des Stromes Silberband!
    Da steh‘ ich auf des Berges Gipfel
    und schau auf dich in süßer Ruh‘,
    und jubelnd ruft’s in meinem Herzen:

    O Pfälzerland, wie schön bist du!
    O Pfälzerland, wie schön bist du!

    Es nickt von deinen sanften Hügeln
    die Rebe mir im Sonnenstrahl,
    es lockt das Grün mich deiner Wälder,
    der Fluren Pracht in jedem Tal.
    Von deinen Kirchen und Kapellen
    tönt mir die Sonntagsglocke zu,
    und Andacht und Begeist’rung flüstern:

    O Pfälzerland, wie schön bist du!
    O Pfälzerland, wie schön bist du!

    Und deiner Burgen graue Trümmer
    und deines Domes stolzer Bau,
    wie grüßen sie im Sonnengolde v
    om Berge mich und aus der Au!
    Es zieht mich hin zu ihren Räumen,
    es treibt mich ihren Hallen zu,
    und wie ich wandre, tönt es freudig:

    O Pfälzerland, wie schön bist du!
    O Pfälzerland, wie schön bist du!

    Ja, schön bist du, o Fleckchen Erde
    am deutschen Strom, am grünen Rhein,
    du Land voll Biederkeit und Treue,
    du Land im Frühlingssonnenschein!
    Und find‘ ich einst in deinem Schoße,
    o Pfälzerland, die sel’ge Ruh‘,
    dann ruf‘ ich mit dem letzten Hauche:

    O Pfälzerland, wie schön bist du!
    O Pfälzerland, wie schön bist du!

    Eduard Jost (1869)

    Antworten
  95. 97

    Markward

    Allen Deutschen

    Das Blut, der Stamm dem Manne flicht
    Das heiligste der Bande:
    Der Deutsche, der kein Deutscher nicht, –
    Des Name sei die Schande!

    Felix Dahn (Entstehungsdatum unbekannt)

    Antworten
  96. 98

    Markward

    Mein Vaterland

    Wo ist des Sängers Vaterland?
    Wo edler Geister Funken sprühten,
    Wo Kränze für das Schöne blühten,
    Wo starke Herzen freudig glühten,
    Für alles Heilige entbrannt.
    Da war mein Vaterland!

    Wie heißt des Sängers Vaterland?
    Jetzt über seiner Söhne Leichen,
    Jetzt weint es unter fremden Streichen.
    Sonst hieß es nur das Land der Eichen,
    Das freie Land, das deutsche Land.
    So hieß mein Vaterland!

    Was weint des Sängers Vaterland?
    Daß vor des Wüt’richs Ungewittern
    Die Fürsten seiner Völker zittern,
    Daß ihre heil’gen Worte splittern,
    Und daß sein Ruf kein Hören fand.
    Drum weint mein Vaterland!

    Wem ruft des Sängers Vaterland?
    Es ruft nach den verstummten Göttern,
    Mit der Verzweiflung Donnerwettern
    Nach seiner Freiheit, seinen Rettern,
    Nach der Vergeltung Rächerhand.
    Der ruft mein Vaterland!

    Was will des Sängers Vaterland?
    Die Knechte will es niederschlagen,
    Den Bluthund aus den Grenzen jagen
    Und frei die freien Söhne tragen
    Oder frei sie betten unterm Sand.
    Das will mein Vaterland!

    Und hofft des Sängers Vaterland?
    Es hofft auf die gerechte Sache,
    Hofft, daß sein treues Volk erwache,
    Hofft auf des großen Gottes Rache
    Und hat den Rächer nicht verkannt.
    Drauf hofft mein Vaterland!

    Theodor Körner (1813)

    Antworten
  97. 99

    Ursula

    Das Wiedersehen

    Der Weltraum fernt mich weit von dir,
    so fernt mich nicht die Zeit,
    wer überlebt das Siebzigste
    schon hat, ist nah bei dir.

    Lang sah ich, Meta, schon dein Grab
    und seine Linde wehn;
    die Linde wehet einst auch mir
    streut ihre Blum‘ auch mir.

    Nicht mir! Das ist mein Schatten nur,
    worauf die Blüte sinkt,
    so wie es nur dein Schatten war,
    worauf schon oft sie sank.

    Dann kenn ich auch die höhre Welt,
    in der du lange warst;
    dann sehn wir froh die Linde wehn,
    die unsre Gräber kühlt.

    Dann….Aber ach, ich weiß ja nicht,
    was du schon lange weißt;
    nur daß es, hell von Ahnungen,
    mir um die Seele schwebt.

    Mit wonnevollen Hoffnungen
    die Abendröte kommt,
    mit frohem, tiefen Vorgefühl
    die Sonnen auferstehn!

    Friedrich Gottlieb Klopstock 1724 – 1803

    Antworten
  98. 100

    Annegret Briesemeister

    Der alte Mann und seine Hände

    Mühsam schleppt er sich die Strecke
    seiner langen Nacht,
    wartet, lauscht und wacht.
    Vor ihm liegen auf der Decke
    seine Hände, Linke, Rechte,
    steif und hölzern, müde Knechte.
    Und er lacht
    leise, daß er sie nicht wecke.

    Unverdrossener als die meisten
    haben sie geschafft,
    da sie noch im Saft.
    Vieles wäre noch zu leisten,
    doch die folgsamen Gefährten
    wollen ruhn und Erde werden.
    Knecht zu sein,
    sind sie müd und dorren ein.

    Leise, das er sie nicht wecke,
    lacht der Herr sie an,
    langen Lebens Bahn
    scheint nun kurz, doch lang die Strecke
    einer Nacht … Und Kinderhände,
    Jünglingshände, Manneshände
    seh’n am Abend, seh’n am Ende
    so sich an.

    Hermann Hesse

    Antworten
  99. 101

    Torsten

    Theodor Storm (Gedichte über das Leben)
    Bald ist unsers Lebens Traum zu Ende

    Bald ist unsers Lebens Traum zu Ende,
    Schnell verfließt er in die Ewigkeit.
    Reicht zum frohen Tanze euch die Hände!
    Tut’s geschwinde; sonst enteilt die Zeit!

    Antworten
  100. 102

    Annegret Briesemeister

    Frühlingslied

    Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
    die kleinen Maienglocken blüh’n
    und Schlüsselblumen drunter.

    Drum komme, wem der Mai gefällt
    und freue sich der schönen Welt
    und Gottes Vatergüte,
    die diese Pracht hervorgebracht,
    den Baum und seine Blüte.

    Ludwig Hölty

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  101. 103

    Bernwart

    Heil Euch!

    Es war einmal vor vielen, vielen Jahren in Indien. Da stand mitten im Urwald ein großer Tempel aus purem Gold. Seine Innenwände waren mit 1000 Spiegeln ausgekleidet, so dass jeder, der in diesen Tempel trat, sich tausendfach wiedersah.

    Da geschah es einmal, dass ein Hund sich dahin verirrte. Er freute sich über seine Entdeckung und glaubte, nun ein reicher Hund zu sein als er das äußere Gold sah. Er ging hinein in den Tempel der 1000 Spiegel.

    Aber da sah er sich 1000 anderen Hunden gegenüber. Er wurde furchtbar wütend, weil die anderen ihm zuvorgekommen waren und fing an zu bellen. Jedoch die 1000 Hunde bellten gleichermaßen zurück. Waren es doch seine Spiegelbilder.
    Da steigerte sich sein Zorn noch mehr, aber der seiner Gegenüber auch. Seine Wut wurde schließlich so groß, dass sie ihn vernichtete und er tot umfiel.

    Es vergingen viele Jahre. Da geschah es wieder einmal, dass ein Hund zum Tempel der 1000 Spiegel kam. Auch er freute sich über seine Entdeckung. Auch er ging hinein und auch er sah sich 1000 Hunden gegenüber.

    Aber er freute sich, dass seine Einsamkeit ein Ende gefunden hatt und wedelte mit seinem Schwanz. Da wedelten die 1000 Hunde freudig zurück; und er freute sich, dass die anderen sich freuten und die Freude wollte kein Ende finden.

    Deshalb ging er öfter dahin, um sich mit den Anderen zu freuen.

    Der gleiche Ort, der für den einen ein Ort des Todes war,
    war für den anderen ein Ort der Freude.

    Was man ausstrahlt kehrt tausendfach zurück !

    Accon und Beverina

    Bernwart

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  102. 104

    Markward

    Under der linden
    an der heide,
    dâ unser zweier bette was,
    dâ mugt ir vinden
    schône beide
    gebrochen bluomen unde gras.
    vor dem walde in einem tal
    – tandaradei!
    schöne sanc die nachtigal.
    Ich kam gegangen
    zuo der ouwe,
    dô was mîn friedel komen
    ê. da wart ich enpfangen
    hêre frouwe,
    daz ich bin sælic
    iemer mê. kuster mich?
    wol tûsenstunt!
    tandaradei!
    seht, wie rôt mir ist der munt.
    Dô het er gemachet also riche
    von bluomen eine bettestat.
    des wird noch gelachet innecliche,
    kumt iemen an daz selbe pfat.
    bî den rôsen er wol mac –
    tandaradei!
    merken, wâ mirz houbet lac.
    Daz er bî mir læge,
    wessez iemen,
    – nu enwelle got –
    sô schamt ich mich.
    wes er mit mir pflæge,
    niemer niemen
    bevinde daz wan er unt ich
    und ein kleinez vogellîn!
    tandaradei!
    daz mag wol getriuwe sîn.

    Walther von der Vogelweide (um 1170 – 1230)

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  103. 105

    Torsten

    Wunder Natur

    Wenn ich auf hohem Berge steh
    und in das weite Land rein seh‘,
    stellt es für mich ein Wunder dar,
    die weite Sicht, so schön und klar.

    Ich genieße den Augenblick,
    er verschafft wundervolles Glück,
    verweile hier mit Frohnatur,
    viel Schöneres gibt’s selten nur.

    Fehlt einem die Gelegenheit,
    dann nimm dir einfach dafür Zeit,
    schau in die kleinsten Winkel nur,
    erleb‘ das Wunder der Natur.

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  104. 106

    Annegret Briesemeister

    Bei einem Wirte wundermild
    da war ich jüngst zu Gaste.
    Ein goldner Apfel war sein Schild
    an einem langen Aste.

    Es war der gute Apfelbaum
    bei dem ich eingekehret.
    Mit süßer Kost und frischem Schaum
    hat er mich wohl genähret.

    Es kamen in sein grünes Haus
    viel leichtbeschwingte Gäste.
    Sie sprangen frei und hielten Schmaus
    und sangen auf das Beste.

    Ich fand ein Bett in süßer Ruh
    auf weichen, grünen Matten.
    Der Wirt, er deckte selbst mich zu
    mit seinem kühlen Schatten.

    Nun frag ich nach der Schuldigkeit.
    Da schüttelt er den Wipfel.
    Gesegnet sei er allezeit
    von der Wurzel bis zum Gipfel.

    Ludwig Uhland 1787 – 1862

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  105. 107

    Annegret Briesemeister

    Willst deines Hauses Glanz du aufrecht halten?
    Lass rosten deiner Väter Schild und Schwert.
    Die tun es nicht, die geben nicht den Wert.
    Die Zeit ist abgelaufen, wo sie galten.

    Das Neue wird; das Alte muss veralten.
    Die Meinung hat im Lichten sich verklärt
    und von der rauhen Faustkraft abgekehrt.
    Das Wort ist’s, der Gedanke, welche walten.

    Adelbert von Chamisso
    1781 – 1838

    Antworten
  106. 108

    Bernwart

    Nis Randers (Ballade von Otto Ernst)

    Krachen und Heulen und berstende Nacht,
    Dunkel und Flammen in rasender Jagd –
    Ein Schrei durch die Brandung!

    Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut.
    Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
    Gleich holt sich’s der Abgrund.

    Nis Randers lugt – und ohne Hast
    Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
    Wir müssen ihn holen.“

    Da fasst ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein!
    Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
    Ich will’s, deine Mutter!

    Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
    Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
    Mein Uwe, mein Uwe!“

    Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
    Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
    „Und seine Mutter?“

    Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
    Hohes, hartes Friesengewächs;
    Schon sausen die Ruder.

    Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
    Nun muss es zerschmettern …! Nein, es blieb ganz! …
    Wie lange? Wie lange?

    Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
    Die menschenfressenden Rosse daher;
    Sie schnauben und schäumen.

    Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
    Eins auf den Nacken des anderen springt
    Mit stampfenden Hufen!

    Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
    Was da? – Ein Boot, das landwärts hält –
    Sie sind es! Sie kommen!

    Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt …
    Still – ruft da nicht einer? – Er schreit’s durch die Hand:
    „Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“

    Otto Ernst

    MdG.

    Bernwart

    Antworten
  107. 109

    Annegret Briesemeister

    Es kann schon nicht alles so bleiben
    hier unter dem wechselnden Mond.
    Es blüht eine Zeit und verwelket
    was mit uns die Erde bewohnt.

    Wir sitzen so fröhlich beisammen.
    Wir haben uns alle so lieb.
    Wir heitern einander das Leben.
    Ach, wenn es doch immer so blieb.

    Doch weil es nicht immer kann bleiben,
    so haltet die Freude recht fest.
    Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet
    das Schicksal nach Ost und nach West.

    Doch sind wir auch fern voneinander,
    so bleiben die Herzen sich nah.
    Und alle, ja alle wird’s freuen,
    wenn einem was Gutes geschah.

    Und kommen wir wieder zusammen
    auf wechselnder Lebensbahn,
    so knüpfen ans fröhliche Ende
    den fröhlichen Anfang wir an.

    August von Kotzebue 1761 – 1819

    Antworten
    1. 109.1

      Bernwart

      Heil Dir Annegret,

      und hier das Lied dazu:

      Heil und Segen

      Bernwart

      Antworten
  108. 110

    Torsten

    Werte Gemeide,

    Deutsche Gedichte

    Heil und Segen!

    Antworten
  109. 111

    Annegret Briesemeister

    Was Leben hat, das kennt die Zeit der Gnade. Der Liebe Pforten sind ihm aufgetan. Zum Himmel führen tausend lichte Pfade. Ein jeder Stand hat seine eig’ne Bahn.

    Nimm mich wie Gott mich hat gemacht, und leih‘ mir keine fremden Züge.

    So hab aus allem ich gezogen, das treue Fazit mir zuletzt, daß dem das Glück zumeist gewogen, der es am mindesten gehetzt.

    Anette von Droste – Hülshoff
    1797 – 1848

    Antworten
  110. 112

    Annegret Briesemeister

    Ein kleines Lied,
    wie geht’s nur an,
    daß man so lieb
    es haben kann?
    Was liegt darin?
    Erzähle!

    Es liegt darin
    ein wenig Klang,
    ein wenig Wohllaut und Gesang
    und eine ganze Seele.

    Marie von Ebner – Eschenbach

    Antworten
  111. 113

    Tochter einer Trümmerfrau

    Meine Mutter

    War sie der große Engel,
    Der neben mir ging?

    Oder liegt meine Mutter begraben
    Unter dem Himmel von Rauch-
    Nie blüht es blau über ihrem Tode.

    Wenn meine Augen doch hell schienen
    Und ihr Licht brächten.

    Wäre mein Lächeln nicht versunken im Antlitz,
    Ich würde es über ihr Grab hängen.

    Aber ich weiß einen Stern,
    Auf dem immer Tag ist;
    Den will ich überihre Erde tragen.

    Ich werde jetzt immer ganz allein sein
    Wie der große Engel,
    Der neben mir ging.

    Else Lasker-Schüler

    Antworten
  112. 114

    Tochter einer Trümmerfrau

    Meine Freiheit

    Soll mir niemand rauben.

    Sterb ich am Wegrand wo,
    Liebe Mutter,

    Kommst du und hebst mich
    Auf deinem Flügel zum Himmel.

    Ich weiß dich rührte
    Mein einsam Wandeln

    Der spielende Ticktack
    Meines Kinderherzens.

    Else Lasker-Schüler

    Antworten
  113. 115

    Annegret Briesemeister

    Den Himmel zu erringen ist etwas Herrliches und Erhabenes. Aber auch auf der lieben Erde ist es unvergleichlich schön. Darum lasst uns Menschen sein.

    Wolfgang Amadeus Mozart
    1756 – 1791

    Antworten
  114. 116

    Annegret Briesemeister

    So mußt du allen Dingen
    Bruder und Schwester sein,
    daß sie dich ganz durchdringen,
    daß du nicht scheidest Mein und Dein.

    Kein Stern, kein Laub soll fallen –
    Du musst mit ihm vergehn!
    So wirst du auch mit allen
    Allstündlich auferstehn.

    Hermann Hesse

    Antworten
  115. 117

    Torsten

    Es ist kein Gedicht, es ist nur Zauberhaft.

    Heil und Segen allen Zauberhaften.

    Antworten
  116. 118

    Annegret Briesemeister

    Du musst das Leben nicht verstehen,
    dann wird es werden wie ein Fest.
    Und lass dir jeden Tag geschehen,
    so wie ein Kind im Weitergehen
    von jedem Wehen
    sich viele Blüten schenken lässt.

    Sie aufzusammeln und zu sparen,
    das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
    Es löst sie leise aus den Haaren
    drin sie so gern gefangen waren
    und hält den lieben jungen Jahren
    nach neuen seine Hände hin.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  117. 119

    Annegret Briesemeister

    Bewahre wohl in deinem Seelenschrein
    Wahrhaftigkeit, den hellen Edelstein.
    Denn wo sein reines Feuer leuchtend flammt,
    da täuscht kein Glanz, der aus der Lüge stammt.

    Stürmt über Tal und Hügel
    auch blind sie oft voran,
    der Seele wachsen Flügel,
    die sich begeistern kann.

    Lass der Begeist’rung Feuer
    nicht helle Flamme allein,
    nein heißes Schmiedefeuer
    für eigene Taten sein.

    Adelheid Stier

    Antworten
  118. 120

    Markward

    Deutsche Wiedergeburt

    Den tiefen Durst nach Leben
    Hat Gott uns eingegeben,
    Er liegt in allem deutschen Blut.
    Des Weltengeistes Wehen
    Im tiefsten zu verstehen,
    Das achten wir als höchstes Gut.

    Doch ach, man konnte wähnen,
    Das edle deutsche Sehnen,
    Das uns das Fernste lieben heißt.
    Sei uns in faulen Tagen
    Im Blute umgeschlagen
    Zu giftig schalem Affengeist.

    Die Sehnsucht, weit zu streifen,
    Das Fernste zu ergreifen,
    Verdarb uns deutsche Art und Kunst.
    Das Blendwerk fremder Laffen
    Schien uns von Gott geschaffen,
    Und war’s auch eitel Rauch und Dunst.

    Den deutschen Geist zu wecken,
    Warf Gott den Volkerschrecken
    Des Weltbrands in das deutsche Haus
    Und rief: Treibt aus die Horden,
    Eh‘ sie zu Herr’n geworden,
    Doch treibt sie aus den Herzen aus!

    Den eignen Geist zu schüren.
    Ließ er uns kräftig spüren
    Den fremden Geist und Aftergeist.
    Mag’s noch so bitter schmecken,
    Das große deutsche Wecken
    Ist Schöpfertat, die jeder preist.

    Beim heil’gen Klang der Waffen
    Hat Gott uns neu geschaffen.
    Er will in deutscher Welt den Thron.
    Uns ist ein Stolz geboren.
    Auf den sei eingeschworen
    Auf ewig Sohn und Enkelsohn!

    Volk, du hast viel zu sühnen.
    Nun weihe neu die Bühnen
    Des Lebens und der deutschen Kunst!
    Du selbst nur kannst dich adeln.
    Frag‘ nichts nach Lob und Tadeln
    Und achte fremde Gunst für Dunst!

    Dem Freunde Treu‘ erweisen.
    Doch kalt wie Eis und Eisen
    Für fremden Mann und fremde Art —
    So woll’n mir’s fürder halten.
    Gott mög‘ in Gnaden walten,
    Daß Deutschland solchen Hochmut wahrt!

    Walter Flex (1887 – 1917)

    Antworten
  119. 121

    Annegret Briesemeister

    Wer als er am höchsten Glück gesessen,
    seine Göttlichkeit hat vergessen,
    hat oft sie in dunklen Schmerzensstunden
    tiefster Erniedrigung wiedergefunden.

    Gesegnet jede Selbsterkenntnis
    und ob sie dich auch schwer verwunde;
    für eigne Schwäche das Verständnis
    liegt jeder Stärke tief zugrunde.

    Wer immer deine Ahnen sind,
    du trägst dein eigen Kleid.
    Und mehr als deiner Eltern Kind,
    bist du ein Kind der Zeit.

    Adelheid Stier

    Antworten
  120. 122

    Annegret Briesemeister

    Willst du des Alters Tücken wehren,
    musst du’s bei seinem Kommen ehren.
    Beugst du dich still seinen heiligen Rechten,
    wird’s dich nicht schrecken und nicht knechten.

    Das ist die ew’ge Jugend deines Seins,
    bleibt’s mit dem frischen Leben rings in eins.
    Durchpulst es stark und frei der Strom der Zeit,
    so mündet’s jung noch in die Ewigkeit.

    Stetes Nehmen, stetes Geben
    macht uns unser Dasein lieb.
    Willst du fühlen reiches Leben,
    gib und nimm und nimm und gib.

    Adelheid Stier

    Antworten
  121. 123

    Annegret Briesemeister

    Wenn wir im Strom der Tage vergebens
    dürsten nach einem Trank des Lebens,
    dürfen wir’s spüren in einsamer Stille :
    Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle.

    Was willst du immer in die Ferne schweifen?
    Du stürmst hinaus, um Dinge zu begreifen,
    die vor den Sinnen seelenlos verblassen
    und in der eig’nen Seele nur zu fassen.

    Nimm nie den Platz im Sonnenschein
    aus deines Bruders Kosten ein!
    Sieh zu, eh‘ du dich fest gestellt,
    ob nicht dein Schatten auf ihn fällt.

    Adelheid Stier

    Antworten
  122. 124

    Annegret Briesemeister

    Wie’s für den Mann gilt, so gilt es genau
    heutzutage auch für die Frau.
    Stütze dich nicht auf erborgten Schein
    wolle als Mensch gewertet sein.

    Dich unnütz fühlen in der Welt? O nein –
    Das kannst du nur in weichlichem Verstecke!
    Tritt doch hinaus und sieh! Es wartet dein
    die Not der Zeit an jeder Straßenecke.

    Am bescheidenen Äußeren stoße
    der suchende Sinn sich nicht.
    Alles wahrhaft Große
    ist einfach stets und schlicht.
    Das scheint so leicht verständlich,
    doch wieviel Lehrgeld hast
    du selbst bezahlt, bis endlich
    die Wahrheit dich erfaßt?

    Adelheid Stier

    Antworten
  123. 125

    Annegret Briesemeister

    Erhebung

    Wie das Kamel sich aufhebt klagelos
    mit Lasten, die der Führer ihm aufband,
    und trauend ihm, daß sie nicht all zu groß,
    hinschreitet mutig durch der Wüste Sand.

    Also erheb‘ dich ohne Klagewort
    mit jenen Lasten, die in deinem Schoß
    wohl abgewogen legte Gottes Hand.
    Trag‘ stille sie durch des Lebens Wüste fort.

    Justinus Kerner

    Antworten
  124. 126

    Annegret Briesemeister

    Ein Mensch, ein klares Aug‘, ein leuchtender Verstand, ein warmes Herz und eine milde Hand, wahr gegen sich, den andern gerecht, ein Mensch!
    Ein Mensch!
    Licht, mutig, schön und – echt!

    Emil Gött

    Antworten
  125. 127

    Annegret Briesemeister

    Die Kindheit

    Du bist, mein fernes Tal,
    verzaubert und versunken.
    Oft hast du mir in Not und Qual
    empor aus deinem Schattenland gewunken.
    Und deine Märchenaugen aufgetan,
    daß ich entzückt in kurzem Wahn
    mich ganz zu dir zurück verlor.

    O dunkles Tor,
    o dunkle Todesstunde,
    komm du heran, daß ich gesunde.
    Und daß aus dieses Lebens Leere
    ich heim zu meinen Träumen kehre.

    Hermann Hesse

    Antworten
  126. 128

    Annegret Briesemeister

    So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht
    von deiner Liebe, deiner treuen Weise.
    Die Gabe, die für andre immer wacht
    hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise.
    Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr
    und wie ich auch die Reime mochte stellen,
    des Herzens Fluten wallten drüber her,
    zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.
    So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
    von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
    und meine ganze Seele nimm darin.
    Wo man am meisten fühlt,
    weiß man nicht viel zu sagen.

    Annette von Droste – Hülshoff

    Antworten
  127. 129

    Ursula

    Dem Volke

    Uns ward das Los gegeben,
    ein freies Volk zu sein;
    ihm wollen wir das Leben
    auf reinem Altar weihn.
    Nie soll sich in uns regen
    Haß, Eigennutz noch Neid,
    in Eintracht laßt uns prägen
    das Bild der neuen Zeit.

    Wir sind des Volkes Glieder,
    ein Leib sind wir, ein Geist,
    der uns beseelt als Brüder,
    des Name Deutschland heißt.
    Die Wurzeln, die uns tragen,
    sind tief in ihm versenkt,
    drum, was wir tun und wagen,
    sei alles ihm geschenkt.

    Wir schaun mit heilgem Glauben
    ersehnte Einigkeit;
    wir lassen uns nicht rauben
    das Bild der neuen Zeit!
    Wir habens voll Verlangen
    im Herzen aufgestellt,
    bis das es einst wird prangen,
    erfüllt vor aller Welt.

    Werner Gneist 1898 – 1980

    Antworten
  128. 130

    Ursula

    Frühlingsglaube

    Die linden Lüfte sind erwacht,
    sie säuseln und weben Tag und Nacht,
    sie schaffen an allen Enden.
    O frischer Duft, o neuer Klang!
    Nun, armes Herze, sei nicht bang!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

    Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
    man weiß nicht, was noch werden mag,
    das Blühen will nicht enden.
    es blüht das fernste, tiefste Tal,
    nun, armes Herz, vergiß der Qual,
    nun muß sich alles, alles wenden.

    Ludwig Uhland 1787 – 1862

    Antworten
  129. 131

    Ursula

    Und wenn mich am Tag die Ferne
    blauer Berge sehnlich zieht,
    nachts das Übermaß der Sterne
    prächtig mir zu Häupten glüht:

    Alle Tag‘ und alle Nächte
    rühm ich so des Menschen Los;
    denkt er ewig sich ins Rechte,
    ist er ewig schön und groß.

    Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

    Antworten
  130. 132

    Annegret Briesemeister

    Mutter schallt es immerfort
    und fast ohne Pause.
    Mutter hier und Mutter dort
    in dem ganzen Hause.
    Überall zugleich zu sein,
    ist ihr nicht gegeben.
    Sonst wohl hätte sie, ich mein‘,
    ein bequem’res Leben.
    Jedes ruft, und auf der Stell‘
    will sein Recht es kriegen.
    Und sie kann doch nicht so schnell
    wie die Schwalben fliegen.
    Ich fürwahr, bewund’re sie,
    daß sie noch kann lachen.
    Was allein hat sie für Müh‘,
    alle satt zu machen.
    Kann nicht einen Augenblick
    sich zu ruh’n erlauben.
    Und das hält sie gar für Glück!
    Sollte man es glauben?

    Johannes Trojan

    Antworten
  131. 133

    Ursula

    Muttersprache

    Muttersprache, Mutterlaut,
    wie so wonnesam, so traut.
    Erstes Wort, das mir erschallet,
    süßes, erstes Liebeswort,
    erster Ton, den ich gelallet,
    klingest ewig in mir fort.

    Ach wie trüb ist meinem Sinn,
    wenn ich in der Fremde bin;
    wenn ich fremde Zungen üben,
    fremde Worte brauchen muß,
    die ich nimmermehr kann lieben,
    die nicht klingen als ein Gruß.

    Sprache, schön und wunderbar,
    ach wie klingest du so klar.
    Will noch tiefer mich vertiefen
    in den Reichtum, in die Pracht,
    ist mir’s doch, als ob mich riefen
    Väter aus des Grabes Nacht.

    Klinge, klinge fort und fort,
    Heldensprache, Liebeswort.
    Steig empor aus tiefen Grüften,
    lägst verscholl’nes, altes Lied,
    leb auf’s neu in heil’gen Schriften,
    daß dir jedes Herz erglüht.

    Überall weht Gottes Hauch,
    heilig ist wohl mancher Brauch;
    aber soll ich beten, danken,
    geb ich meine Liebe kund,
    meine seligsten Gedanken
    sprech ich wie der Mutter Mund.

    Max von Schenkendorf 1783 – 1817.

    Antworten
  132. 134

    Torsten

    Werter Kurzer,

    auch jenes kann Poesie sein.

    Allmutter Deutschland

    Getaucht in weißen Sternenstaub,
    mit Anmut und Erhabenheit
    Mit morscher Hand die Zeit berührt,
    zerfallen für die Ewigkeit
    Auferstanden aus Ruinen,
    überwunden Zeit und Raum
    Tot geglaubt doch nie besiegt,
    Du leuchtest durch das Morgengrauen

    Wenn Du einst nicht mehr auferstehst
    so ist es um die Welt geschehn’
    Denn wer soll außer Dir die Sterne
    durch die Zeit der Schwärze sehn’
    Gebeuget hat man Dich so oft
    doch geborsten bist Du nicht
    Hinaufgeschnellt in Schwindelshöh
    von der man heut in Ehrfurcht spricht

    Den Boden von Jahrtausenden
    mit Deinem edlen Blut benetzt
    War es das wert oder vergebens
    nun liegt es doch an uns zuletzt
    Drum Brüder, auf, den Blick nach vorn
    keiner von uns soll verzagen
    Für der Väter heilig Land
    wollen wir die Fackel tragen

    Heil und Segen uns allen!

    Antworten
  133. 135

    Annegret Briesemeister

    Die Liebe nur, die klar bewacht
    hat eine himmlische Segensmacht.
    Man kann mit lauter Güte allein
    des andern böser Bruder sein.

    Mach’s um dich warm und sonnenhell,
    Lichtträger sei und Lebensquell!
    Mit kleiner Kraft nur für dein Haus,
    mit großer weit darüber hinaus.

    Es ist so leicht und drückt doch so schwer!
    Das ist kein flüchtiger Tropfen mehr,
    schnell getrocknet wie er geflossen.
    Es brennt sich ins Herz
    wie glühendes Erz,
    die Träne, die treue Liebe im Schmerz
    um deine Schuld vergossen.

    Adelheid Stier

    Antworten
  134. 136

    Annegret Briesemeister

    Die Heldentaten, die offenbaren,
    verlangt das Geschick unter hundert von einem.
    Aber die kleinen, unsichtbaren
    die schenkt es keinem.

    Sei ganz Weib! Und wo des Mannes Bahnen
    durch Schranken einer Wirklichkeit beengt,
    nimmt deiner Weiberseele Fühlen, Ahnen
    den Flug ins Weite unbeschränkt.

    Die Formen gab Natur dem Angesicht,
    doch deine eig’ne inn’re Arbeit füge,
    hinzu die Schrift der eingegrab’nen Züge,
    die für den Adel deiner Seele spricht.

    Adelheid Stier

    Antworten
  135. 137

    Annegret Briesemeister

    Es klang heut‘ durch den nebelgrauen Tag
    so sieghaftig jubelnd einer Lerche Schlag.
    Merk’s wohl : das sind die Besten, denen nicht
    gleich, wenn die Sonne fehlt, der Mut zerbricht!

    Wo uns so viele nur Höflichkeit gönnen,
    weil sie uns gut gebrauchen können,
    kann uns ehrliche Grobheit zu Zeiten
    ganz besondere Freude bereiten.

    Über jedem Arbeitsplatz müsste es steh’n,
    Antwort gebend ungefragt
    bei Kleinmut, Zweifel und Irregeh’n,
    das kleine Wörtchen “ unverzagt „.

    Adelheid Stier

    Antworten
  136. 138

    Annegret Briesemeister

    An mein altes Tintenfass

    Du liebes altes Tintenfass
    aus kern’ger deutscher Eichen,
    du sollst als abgenützt‘ Gerät
    jetzt einem neuen weichen.

    Dich, daß mir Lieder gab, soll nicht
    der Küchenzettel erben.
    Du Feuerspender sollst dafür
    den Feuertod mir sterben.

    Doch als das Fass im Feuer lag,
    ergriff mich tiefes Sehnen.
    Und als vom Fasse Wärme quoll,
    entquollen mir die Tränen.

    Und Monde schwanden, noch kein Lied
    hat’s neue Fass gegeben.
    Du altes deutsches Eichenholz,
    wärst du doch noch am Leben!

    Max Beilhack

    Antworten
  137. 139

    Annegret Briesemeister

    Warte nicht auf den Entdecker,
    dessen, was du bist!
    Sei lieber ein Lebenswecker
    für alles, was um dich ist!

    Zu alt vielleicht für Spielerei
    und Flitterkram des Lebens sei.
    Doch für das Neue in Gestalt
    des Wahren, Schönen nie zu alt.

    Führt mancher Weg durch Dickicht und Dorn
    und ist doch der rechte –
    geht manche Liebe durch Zweifel und Zorn
    und ist doch die echte.

    Fehlt dir die rechte Wünschelrute nicht,
    so spürst du auch in harten Herzen drinnen
    die warmen, tiefverborg’nen Quellen rinnen
    und lockst sie sanft hervor ans Licht.

    Adelheid Stier

    Antworten
  138. 140

    Annegret Briesemeister

    Der höhere Friede

    Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen
    Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
    Menschen, die im Busen Herzen tragen,
    Herzen, die der Gott der Liebe schuf,

    denk‘ ich, können sie doch mir nichts rauben,
    nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
    nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
    der dem Hasse, wie dem Schrecken wehrt.

    Nicht des Ahorns dunklen Schatten wehren,
    daß er mich im Weizenfeld erquickt,
    und das Lied der Nachtigall nicht stören,
    die den stillen Busen mir entzückt.

    Heinrich von Kleist

    Antworten
  139. 141

    Annegret Briesemeister

    Das Erst‘ und Letzte

    Das erste Wort, daß auf der Erde
    mit schöpferischer Macht erscholl,
    war – Licht! …Gott sprach : “ Das Licht, es werde! “
    Und alles Land war übervoll.

    Und alles Land hat bis zur Stunde
    noch keinen Tag des Lichts entbehrt.
    Noch jeden Morgen ward die Kunde
    vom neuen Tag der Welt beschert.

    So endet auch – das ist mein Glauben –
    in Nacht das letzte Leben nicht!
    Nichts kann die Zuversicht mir rauben :
    das Erst‘ und Letzte ist das Licht.

    Karl Ernst Knodt

    Antworten
  140. 142

    Annegret Briesemeister

    Sturm der Zeit

    Hörst du nicht den Sturm der Zeit?
    Spürst du nicht, wie wild er wütet?
    Manchen Stern hat er gelöscht,
    den wir ängstlich lang gehütet.

    Einer nur steht ruhig – klar.
    Sonder Anfang, sonder Ende :
    “ Gott ist ewig! Gott ist wahr! “
    …heb zu ihm getrost die Hände.

    Karl Ernst Knodt

    Antworten
  141. 143

    Annegret Briesemeister

    O gib mir Freuden, nicht mit dem verstrickt,
    was ich als niedres Ich in mir empfinde.
    Gib solche Freuden mir zum Angebinde,
    wie Geist sie Geist, der Seele Seele schickt.

    O nicht mehr dieser schalen Freuden Pein,
    die doch erkauft nur sind von fremden – Leiden!
    Schenk‘ Herzen mir, die sich für Dich entscheiden,
    so wird auch meines wahrhaft fröhlich sein.

    Christian Morgenstern

    Antworten
  142. 144

    Annegret Briesemeister

    Das Lieben scheint noch gar gering,
    o rede nicht von Schmerzen!
    Die Sehnsucht lernt vom Schmetterling
    und Liebe von der Kerze.

    Genügt’s dem Schmetterling am Glanz
    die Flügel zu versehren,
    so muss sich doch die Kerze ganz
    an Liebesglut verzehren.

    Hoffmann von Fallersleben

    Antworten
  143. 145

    Annegret Briesemeister

    Brüder in Gott

    Oh Wandersmann, was stehst du nur so fremd
    mir gegenüber und stellst dich blind und taub?
    Trägst doch wie ich dasselbe Gotteshemd
    und bist bedeckt mit gleichem Erdenstaub!

    Dein Pfad geht mit dem meinen; keiner hat
    ein ander Ziel, wenn auch von Zeit zu Zeit
    ein Meer sie trennt, sie münden in die Stadt
    der unbegrenzten, stillen Ewigkeit.

    Das Drängen nach der Weisheit letztem Licht
    lebt in uns allen, macht uns eng vertraut,
    ob auch der eine nicht zum andern spricht :
    Gottsucher jeder, der die Stunde schaut.

    Alfons Petzold

    Antworten
  144. 146

    Ursula

    Das Lied des Türmers Lynceus

    Zum Sehen geboren,
    zum Schauen bestellt,
    dem Turme geschworen,
    gefällt mir die Welt.
    Ich blick in die Ferne,
    ich seh in der Näh
    den Mond und die Sterne,
    den Wald und das Reh.

    So seh ich in allen
    die ewige Zier,
    und wie mirs gefallen,
    gefall ich auch mir.
    Ihr glücklichen Augen,
    was je ihr gesehn,
    es sei wie es wolle,
    es war doch so schön!

    Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

    Antworten
  145. 147

    Ursula

    Hoffnung

    Und dräut der Winter noch so sehr
    mit trotzigen Gebärden,
    und streut er Eis und Schnee umher,
    es muß doch Frühling werden.

    Und drängen die Nebel noch so dicht
    sich vor den Blick der Sonne,
    sie wecket doch mit ihrem Licht
    einmal die Welt zur Wonne.

    Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht!
    Mir soll darob nicht bangen;
    auf leisen Sohlen über Nacht
    kommt doch der Lenz gegangen.

    Dann wacht die Erde grünend auf,
    weiß nicht, wie ihr geschehen,
    und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
    und möchte vor Lust vergehen.

    Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
    und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
    sie läßt die Brünnlein rieseln klar,
    als wären es Freudenzähren.

    Drum stille, wie’s auch frieren mag,
    oh Herz, gib dich zufrieden;
    es ist ein großer Maientag
    der ganzen Welt beschieden.

    Und wenn dir oft auch bangt und graut,
    als sei die Höll‘ auf Erden;
    nur unverzagt, auf Gott vertraut,
    es muß doch Frühling werden:

    Emmanuel Geibel 1815 – 1884

    Antworten
    1. 147.1

      Der Wolf

      So treiben wir den Winter aus,
      durch unsre Stadt zum Tor hinaus.
      Es wartet draußen schon der Mai,
      den Sommer holen wir herbei.

      Wir stürzen ihn von Berg zu Tal,
      damit er sich zu Tode fall‘.
      Wir jagen ihn über die Heiden,
      daß er den Tod muß leiden.

      Nun haben den Winter wir ausgetrieben,
      so bringen wir den Sommer her wieder,
      den Sommer und den Maien,
      die Blümlein mancherleien.

      Alter Gesang beim Frühlingsfest

      Antworten
      1. 147.1.1

        Der Wolf

        Hierzu natürlich auch noch das Lied als solches in einer sehr schönen Interpretation (von vielen anderen sehr guten Versionen):

  146. 148

    Ursula

    Reisesegen

    Ich dir nachsehe,
    ich dir nachsende
    mit meinen fünf Fingern
    fünfundfünfzig Engel.
    Gott mit Gesunden
    heim dich gesende.
    Offen sei dir das Siegetor,
    also sei dir das Segeltor.
    Verschlossen sei dir das Wogentor,
    also sei dir das Waffentor:

    aus dem !0. Jahrhundert

    Antworten
  147. 150

    Ursula

    Abschied

    Wir nehmen Abschied, Kamerad,
    und senken noch einmal den Degen.
    Du gehst dem Morgen, der keinen Abend hat,
    du gehst der Freiheit entgegen.

    Wir kämpfen weiter im blutigen Streite,
    wir schreiten fort durch Leid und Nacht;
    du fehlst uns, Kamerad, zur Seite,
    du fehlst uns in der letzten Schlacht.

    Wir beten noch einmal, Kamerad,
    und geloben vor Gott aufs neue,
    vor Gott, der den Kampf befohlen hat,
    dem Volke und dir die Treue!

    Kurt Eggers 1905 – 1943

    Antworten
  148. 151

    Annegret Briesemeister

    Das einzig Wahre

    Echt ist nur des Himmels Blau,
    denn der Wechsel, streng und rauh
    nimmt des Blütenstraußes Pracht,
    grün, daß hell vom Baume lacht.
    Sommers Feuerglut verfliegt
    und der flinke Bach versiegt.
    Auf den Wechsel, klein und groß
    schaut der Himmel, wandellos.

    Menschentreu‘ ist Morgenduft,
    den entführt die weichste Luft.
    Und die Lieb‘ ist über Nacht
    oft als Haß wohl aufgewacht.
    Heut‘ gehst du als Bruder mit,
    morgen dich der Hochmut tritt
    und es beut‘ der Lebensbaum
    statt der Frucht – zerstob’nen Traum.
    Doch wenn alles rauh verglüht
    deines Hoffens Grün verblüht
    und dein Schiff im Sturme treibt,
    blick hinauf! Der Himmel bleibt!

    Eugenie Marlitt
    eigentlich Friederike Henriette Christinane Eugenie John ( 1825 – 1887 )
    Thüringen / Arnstadt
    deutsche Schriftstellerin

    Antworten
  149. 152

    Ursula

    Dem Führer

    So gelte denn wieder
    Urväter Sitte:
    Es steigt der Führer
    aus Volkes Mitte.

    Sie kannten vorzeiten
    nicht Krone noch Thron;
    es führte die Männer
    ihr tüchtigster Sohn.

    Die Freien der Freie,
    nur eigene Tat
    gab ihm die Weihe,
    und Gottes Gnad.

    So schuf sein Wirken
    ihm Würde und Stand;
    der vor dem Heer her zog,
    ward Herzog genannt.

    Herzog des Reiches,
    wie wir es meinen,
    bist du schon lange
    im Herzen der Deinen.

    Will Vesper 1882 – 1962

    Antworten
  150. 153

    Annegret Briesemeister

    Es kann die Ehre dieser Welt
    dir keine Ehre geben.
    Was dich in Wahrheit hebt und hält,
    muß in dir selber leben.

    Wenn’s deinem Innersten gebricht
    an echten Stolzes Stütze,
    ob dann die Welt dir Beifall spricht,
    ist all dir wenig nütze.

    Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
    magst du dem Eitlen gönnen;
    das aber sei dein Heiligtum :
    vor dir bestehen können!

    Theodor Fontane

    Antworten
  151. 154

    Ursula

    Weltgeheimnis

    Der tiefe Brunnen weiß es wohl.
    Einst waren alle tief und stumm
    und alle wußten drum.

    Wie Zauberworte, nachgelallt,
    und nicht begriffen in den Grund,
    so geht es jetzt von Mund zu Mund.

    Der tiefe Brunnen weiß es wohl;
    in den gebückt, begriff’s ein Mann,
    begriff es und verlor es dann.

    Und redet‘ irr und sang ein Lied,
    in dessen dumpfen Spiegel bückt
    sich einst ein Kind und ward entrückt.

    Und wächst und weiß nichts von sich selbst,
    und wird ein Weib, das einer liebt,
    und wunderbar, wie Liebe gibt;

    Wie Liebe tiefe Kunde gibt:
    Da wird an Dinge, dumpf geahnt,
    in ihren Küssen tief gemahnt.

    In unseren Worten liegt es drin;
    so tritt des Bettlers Fuß den Kies,
    der eines Edelsteins Verließ.

    Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
    einst aber wußten alle drum,
    nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

    Hugo von Hoffmannsthal 1874 – 1929

    Antworten
  152. 155

    Ursula

    Freiheit

    Freiheit, die ich meine,
    die mein Herz erfüllt.
    komm mit deinem Scheine,
    süßes Engelsbild.
    Magst du nie dich zeigen
    der bedrängten Welt?
    Führest deinen Reigen
    nur am Sternenzelt?

    Auch bei grünen Bäumen
    in dem luftgen Wald,
    unter Blütenträumen
    ist dein Aufenthalt.
    Ach, das ist ein Leben,
    wenn es weht und klingt,
    wenn dein stilles Weben
    wonnig uns durchdringt.

    Wenn die Blätter rauschen
    süßen Freundesgruß,
    wenn wir Blicke tauschen,
    Liebeswort und Kuß.
    Aber immer weiter
    nimmt das Herz den Lauf,
    auf der Himmelsleiter
    steigt die Sehnsucht auf.

    Aus den stillen Kreisen
    kommt mein Hirtenkind,
    will der Welt beweisen,
    was es denkt und minnt.
    Blüht ihm doch ein Garten,
    reift ihm doch ein Feld
    auch in dieser harten
    steinerbauten Welt.

    Wo sich Gottes Flamme
    in ein Herz gesenkt,
    das am alten Stamme
    treu und liebend hängt;
    wo sich Männer finden,
    die für Ehr und Recht
    mutig sich verbinden,
    weilt ein frei Geschlecht.

    Hinter dunklen Wällen,
    hinter ehrnem Tor
    kann das Herz noch schwellen
    zu dem Licht empor;
    für die Kirchenhallen,
    für der Väter Gruft,
    für die Liebsten fallen,
    wenn die Freiheit ruft.

    Das ist rechtes Glühen,
    frisch und rosenrot,
    Heldenwangen blühen
    schöner auf im Tod.
    Wollest auf uns lenken
    Gottes Lieb und Lust,
    wollest gern dich senken
    in die deutsche Brust.

    Max von Schenkendorf 1783 -1817

    Antworten
    1. 155.1

      Bernwart

      Ein wunderschönes Volkslied

      Antworten
  153. 156

    Annegret Briesemeister

    Die Toten

    Die Toten starben nicht, es starb ihr Kleid.
    Ihr Leib zerfiel, es lebt ihr Geist und Wille.
    Vereinigt sind sie dir zu jeder Zeit
    in deiner Seele tiefer Tempelstille.

    In dir und ihnen ruht ein einiges Reich,
    wo Tod und Leben Wechselworte tauschen.
    In ihm kannst du, dem eigenen Denken gleich,
    den stillen Stimmen deiner Toten lauschen.

    Und reden kannst du, wie du einst getan,
    zu deinen Toten lautlos deine Worte.
    Unwandelbar ist unsres Geistes Bahn
    und ewig offen steht des Todes Pforte.

    Schlagt Brücken in euch zu der Toten Land,
    die Toten bau’n mit euch am Bau der Erde.
    Geht wissend mit den Toten Hand in Hand,
    auf das die ganze Welt vergeistigt werde.

    Manfred Kyber

    Antworten
  154. 157

    Ursula

    Sehnsucht

    Ach, aus dieses Tales Gründen,
    die der kalte Nebel drückt,
    könnt ich doch den Ausweg finden,
    ach, wie fühlt ich mich beglückt!
    Dort erblick ich schöne Hügel,
    ewig jung und ewig grün!
    Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
    nach den Hügeln zög ich hin.

    Harmonien hör ich klingen,
    Töne süßer Himmelsruh,
    und die leichten Winde bringen
    mir der Düfte Balsam zu.
    Goldne Früchte seh ich glühen,
    winkend zwischen dunklem Laub.
    und die Blumen, die dort blühen,
    werden keines Winters Raub.

    Ach, wie schön muß sich’s ergehen
    dort im ew’gen Sonnenschein!
    Und die Luft auf jenen Höhen…
    oh, wie labend muß sie sein!
    Doch mir wehrt des Stromes Toben.
    der ergrimmt dazwischen braust,
    seine Wellen sind gehoben,
    daß die Seele mir ergraust.

    Einen Nachen seh ich schwanken,
    aber ach, der Fährmann fehlt,
    frisch hinein und ohne Wanken,
    seine Segel sind beseelt.
    Du mußt glauben, du mußt wagen,
    denn die Götter leihn kein Pfand,
    nur ein Wunder kann dich tragen
    in das schöne Wunderland.

    Friedrich von Schiller 1759 -1805

    Antworten
  155. 158

    Annegret Briesemeister

    Das Lied der Freiheit

    Es lebe, was auf Erden
    nach Freiheit strebt und wirbt,
    von Freiheit singt und sagte,
    für Freiheit lebt und stirbt.

    Die Welt mit ihren Freuden
    ist ohne Freiheit nichts.
    Die Freiheit ist die Quelle
    der Tugend und des Lichts.

    Es kann, was lebt und webet
    in Freiheit nur gedeih’n.
    Das Ebenbild des Schöpfers
    kann nur der Freie sein.

    Frei will ich sein und singen,
    so wie der Vogel lebt,
    der auf Palast und Kerker
    sein Frühlingslied erhebt.

    Die Freiheit ist mein Leben
    und bleibt es immerfort,
    mein Sehnen, mein Gedanke,
    mein Traum, mein Lied und Wort.

    Es lebe, was auf Erden
    nach Freiheit strebt und wirbt,
    von Freiheit singt und saget,
    für Freiheit lebt und stirbt.

    Fluch sing‘ ich allen Zwingherr’n,
    Fluch aller Dienstbarkeit.
    Die Freiheit ist mein Leben
    und bleibt es alle Zeit.

    Hoffmann von Fallersleben

    Antworten
  156. 159

    Ursula

    Die zwei Gesellen

    Es zogen zwei rüst’ge Gesellen
    zum erstenmal von Haus,
    so jubelnd recht in die hellen,
    singenden, klingenden Wellen
    der vollen Frühlings hinaus.

    Die strebten nach hohen Dingen,
    die wollten, trotz Lust und Schmerz,
    was Recht’s in der Welt vollbringen,
    und wem sie vorübergingen,
    dem lachten Sinnen und Herz,

    Der erste, der fand ein Liebchen,
    die Schwieger kauft‘ Hof und Haus,
    der wiegte gar bald ein Bübchen
    und sah aus heimlichem Stübchen
    behaglich ins Feld hinaus.

    Dem zweiten sangen und logen
    vieltausend Stimmen im Grund,
    verlockend‘ Sirenen und zogen
    ihn in der buhlenden Wogen
    farbig klingenden Schlund.

    Und wie er auftaucht‘ vom Schlunde,
    da war er müde und alt,
    sein Schifflein, das lag im Grunde,
    und still war’s rings in die Runde,
    und über dir Wasser weht’s kalt.

    Es singen und klingen die Wellen
    des Frühlings wohl über mir;
    und seh ich so kecke Gesellen,
    die Tränen im Auge mir schwellen,
    ach Gott, für uns liebreich zu Dir!

    Joseph Freiherr von Eichendorff 1788 – 1857

    Antworten
    1. 160.1

      Bernwart

      Setzt ihr euren Helden Steine (Hans Baumann)

      Setzt Ihr Euren Helden Steine
      Setzt Ihr Euren Helden Steine,
      baut ihr einem Mann das Mal,
      dann vergeßt der Mütter keine,
      die da starben hundertmal.

      Hundertmal in bangen Stunden!
      Wenn die Söhne in der Schlacht
      einmal nur den Tod gefunden,
      fanden sie ihn jede Nacht.

      Und so fanden sie das Leben
      mitten aus Gewalt und Tod,
      und so konnten sie es geben
      einem Volk das Morgenrot.

      Antworten
  157. 161

    Annegret Briesemeister

    Was war mein Leben, wenn es heut‘ soll enden?
    Verträumt! Verloren? Nein, es war ein Ring
    von stillen Freuden, die mit vollen Händen
    ich nahm und weitergab und neu empfing.

    Es war ein Liebesbund mit dieser Erde,
    die mich mit ihrer Schönheit tief beglückt
    und immer doch mit mächtiger Gebärde
    mein Ziel hinaus ins Ewige rückt.

    Es war mit Wasser, Bergeswind und Fluten
    ein brüderlicher Bund, der niemals brach,
    mit allen Wolken, die im Blauen fuhren
    und deren Lied von unsrer Heimat sprach.

    Mit ihren großen ewigen Gewalten
    hab ich in Treue Bruderschaft gehalten;
    und meine Sünde war in allen Jahren,
    daß sie mir lieber als die Menschen waren.

    Hermann Hesse

    Antworten
  158. 162

    Annegret Briesemeister

    Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde,
    vor meinem Vaterhaus steht eine Bank.
    Und wenn ich sie einst wieder finde,
    dann bleib ich dort mein Leben lang.
    Dann wird die Linde wieder rauschen
    ihr liebes altes Heimatlied.
    Mein ganzes Herz wird ihr dann lauschen,
    das oft in Träumen heimwärts zieht.
    Mein ganzes Herz wird ihr dann lauschen,
    wer weiß, wer weiß, wann das geschieht.

    In dieser fremden großen Stadt
    in diesem Meer aus Stein,
    da grüßt dich kaum ein Blütenblatt
    mit süssvertrautem Schein.
    Vor meinem Vaterhaus da steh’n drei Rosen,
    die hat gehegt, gepflegt mein Mütterlein.
    Doch jetzt zur Zeit der Herbstzeitlosen,
    da werden sie verwelkt schon sein.
    Doch wenn ich komm‘ , dann blüh’n sie wieder.
    Wenn sie mein Sehnen blühen sieht,
    dann knie‘ ich vor den Rosen nieder,
    wo ich als Kind so gern gekniet.
    Dann knie’ich vor den Rosen nieder,
    wer weiß, wer weiß, wann das geschieht.

    In dieser fremden großen Stadt
    sind stolze Brunnen viel,
    doch alle rauschen müd‘ und matt
    trotz ihrem bunten Spiel.
    Vor meinem Vaterhaus da steht ein Brunnen,
    sein Wasser rinnt und rauscht so silberhell.
    Die Mädchen geh’n zu diesem Brunnen,
    erzählen sich vom Liebsten schnell.
    Nur eine schweigt zu allen Sachen,
    die einst ihr Herz an mich verriet.
    Doch kehr‘ ich heim, so wird sie lachen
    und aller Schmerz und Kummer flieht.
    Doch kehr‘ ich heim, dann wird sie lachen,
    wer weiß, wer weiß, wann das geschieht.

    Volkslied

    Antworten
  159. 163

    Torsten

    Heimkehr!

    Heimkehr!

    Antworten
  160. 164

    Annegret Briesemeister

    Atlantis

    Wer sie zu finden wüßte,
    glückseligster Pilot,
    die wundervolle Küste,
    wo uns kein Schmerz mehr droht.
    Wo nimmer Mund vom Munde
    vom Herzen Herz sich reißt,
    wo keine letzte Stunde
    uns bittern Abschied heißt!

    Wo nicht das Flügelrauschen
    der Zeit uns mehr erschreckt,
    kein Spähen mehr, kein Lauschen
    in unsrem Glück uns neckt.
    Wo wie im Meeresgrunde,
    versteckt von tiefster Flut,
    unendlich ew’geStunde
    meinHerz an deinem ruht!

    Es ist kein falsch Gelüste,
    in eitlem Hirn erdacht.
    Die wundervolle Küste,
    sie ist kein Traum der Nacht.
    In deinem Aug’und Mienen
    da fand ich ihre Spur.
    Da ist sie mir erschienen,
    die Paradiesesflur!

    Herz, breite deine Schwingen!
    Es gilt ein köstlich Gut
    zu kämpfen und zu ringen,
    wohlauf und habe Mut!
    Gib dich getrost den Winden,
    nicht scheue Sturm und Riff.
    Du wirst dein Eden finden,
    führt Liebe doch das Schiff!

    Robert Eduard Prutz

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  161. 165

    Annegret Briesemeister

    Mein Vaterland

    Treue Liebe bis zum Grabe
    schwör‘ ich dir mit Herz und Hand.
    Was ich bin und was ich habe,
    dank‘ ich dir, mein Vaterland.

    Nicht in Worten nur und Liedern
    ist mein Herz zum Dank bereit;
    Mit der Tat will ich’s erwidern
    dir in Not, in Kampf und Streit.

    In der Freude wie im Leide
    ruf ich’s Freund und Feinden zu :
    ewig sind vereint wir beide,
    und mein Trost, mein Glück bist du.

    Treue Liebe bis zum Grabe
    schwör‘ ich dir mit Herz und Hand.
    Was ich bin und was ich habe,
    dank‘ ich dir, mein Vaterland.

    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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  162. 166

    Annegret Briesemeister

    Wer offen trägt sein Licht, von keinem Schirm umwacht,
    hat unverlässiges Geleit bei wind’ger Nacht.
    Nur wem das Licht zugleich und die Latern‘ ist eigen,
    sieht selber seinen Weg, und kann ihn andern zeigen.

    Dein wahrer Freund ist nicht, wer dir den Spiegel hält der Schmeichelei, worin dein Bild dir selbst gefällt.
    Dein wahrer Freund ist, wer dich seh’n lässt deine Flecken, und sie dir tilgen hilft, eh Feinde sie entdecken.

    Wie selten ahnt ein Freund was dein Gemüt bekriegt.
    Ihm steht von weitem, was dir nächst am Herzen liegt.
    Auch zwischen Freunden gibt’s unmitteilbare Sachen,
    die jeder mit sich selbst und Gott hat abzumachen.

    Friedrich Rückert

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  163. 167

    Ursula

    Wohl uns, solang noch seinen Acker
    in Mühsal unser Landmann baut,
    solang er noch getrost und wacker
    der Hände Tüchtigkeit vertraut!
    Solang noch ihre Wellen schlagen
    Kornfelder über deutsches Land,
    die rot und blaue Blumen tragen
    hineingewirkt von Schöpfers Hand,

    solang noch zwischen grünen Speeren
    die Lerche baut ihr kleines Nest:
    solange noch den Kranz von Ähren
    der Schnitter flicht zum Erntefest:
    solange steht ihr, feste Stützen
    des Reiches, das sonst haltlos fällt.
    Das Schwert ist da, den Pflug zu schützen,
    der Pflug ist’s, der das Schwert erhält.

    Johannes Trojan 1837 – 1915

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  164. 168

    Ursula

    Letzte Ernte

    Ich brachte in siebzig Jahren viele Ernten ein,
    dies soll mein letztes Fuder wohl gewesen sein!
    Die Gäule scheuten am Tore, sie jagten mit Gewalt,
    ich schrie und riß an der Leine, aber mein Arm ist alt.

    Von ihren polternden Hufen der Staub flog auf wie Rauch,
    die Garben schleiften die Steine, mein alter Rücken auch.
    Mutter, was hilft das Weinen? Das ist nun, wie es ist.
    Siebzig Jahre und darüber war doch eine schöne Frist!

    Daß sie den Schmied nur holen, ein Eisen fehlt dem Roß,
    und hinterm Hof am Tore, da ist ein Pfosten los.
    Und daß sie nicht vergessen: da, wo die Pappeln stehn,
    im letzten Schlag am Berge, da sollen sie Roggen säen.

    Kommt jeder an die Reihe, König, Bauer und Knecht!
    Ist’s unseres Herrgotts Wille, so ist es mir auch recht.
    Was stehst du vor dem Bette und beugst dich drüber dicht?
    Meinst du, Mutter, ich sähe die Totenlichter nicht?

    Vier Lichter an der Lade, wie’s sich zu Recht gehört,
    vier Pferde vor dem Wagen, der mich vom Hofe fährt,
    der weißen Klageweiber zween vor meiner Truh,
    in breiten linnenen Laken vom Kopf bis auf die Schuh!

    Mutter, kommen die Kühe schon vom Kamp herein?
    die Schwarze brüllt am Tore, da muß es Melkzeit sein.
    Ich höre die Knechte singen vor der Dielentür,
    morgen um Feierabend bin ich nicht mehr hier.

    Viel Hände braucht die Ernte, der Herrgott hat’s gewußt.
    Gottlob, daß ich nicht früher habe fortgemußt!
    Und wenn ich Feierabend heute machen soll,
    gemäht sind die letzten Ähren, und alle Scheunen voll!

    Lulu von Strauß und Torney 1873 – 1956

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  165. 169

    Bernwart

    Sprachverfremdung

    Wer unbedacht ein Fremdwort wählt,
    und deutsches Wort für ihn nicht zählt,
    wer happy sagt und glücklich meint
    und sunshine, wenn die Sonne scheint,
    wer hot gebraucht anstelle heiß,
    know how benutz, wenn er was weiß,
    wer sich mit sorry kühl verneigt
    und shows abzieht, wenn er was zeigt,
    wer shopping geht statt einzukaufen
    und Jogging sagt zum Dauerlaufen,
    der bleibt zwar fit, doch merkt er spät,
    wenn er kein Wort mehr DEUTSCH versteht.

    Friedrich K. Weibel (aus; „Soldat im Volk“)

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  166. 170

    Bernwart

    Das Geusenlied

    1. Gleich wie die Möwe ruhlos hastet, von Land zu Meer, von Meer zu Land;
    und kaum im Flug die Schwinge rastet auf Dünensand, auf Wellenschaum.
    So wogen wir auf irren Bahnen von Land zu Meer von Meer zu Land.
    |: Zerschliss’ne Segel unsre Fahnen, ein morsches Schifflein unser Reich. 😐

    2. Oft nur den letzten Schuss im Laufe, vom Sturm gepeitscht, vom Feind gehetzt.
    Ein adeliger Bettlerhaufe, den Hut zerhaun, das Wams zerfetzt.
    Und doch erbebt das stolze Spanien, in dessen Reich der Tag nicht sinkt,
    |: wenn unser Racheruf „Oranien“ sich über Albas Heere schwingt. 😐

    3. Ihr bebt mit Recht ob Sklavenschande, bei Gott wird dieser Boden rein
    und müssten alle Niederlande von Meeresflut verschlungen sein.
    Zerbrecht den Deich, zerreißt die Schleusen, ersäuft die fremde Tyrannei.
    |: Es naht das Meer, es nahn die Geusen, das Land wird Meer, doch es wird frei. 😐

    Felix Dahn

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  167. 171

    Bernwart

    Pidder Lüng (Detlef Freiherr von Liliencron)

    Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch,
    Schlägt mit der Faust auf den Eichentisch:
    Heut fahr ich selbst hinüber nach Sylt
    Und hol mir mit eigner Hand Zins und Gült.
    Und kann ich die Abgabe der Fischer nicht fassen,
    Sollen sie Nasen und Ohren lassen,
    Und ich höhn ihrem Wort:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Im Schiff vorn der Ritter panzerbewehrt,
    Stützt sich finster auf sein langes Schwert.
    Hinter ihm, von der hohen Geistlichkeit,
    Steht Jürgen, der Priester, beflissen bereit.
    Er reibt sich die Hände, er bückt den Nacken.
    Der Obrigkeit helf ich, die Frevler packen;
    In den Pfuhl das Wort:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Gen Hörnum hat die Prunkbarke den Schnabel gewetzt,
    Ihr folgen die Ewer, kriegsvolkbesetzt.
    Und es knirschen die Kiele auf den Sand,
    Und der Ritter, der Priester springen an Land,
    Und waffenrasselnd hinter den beiden
    Entreißen die Söldner die Klingen den Scheiden.
    Nun gilt es Friesen:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Die Knechte umzingeln das erste Haus,
    Pidder Lüng schaut verwundert zum Fenster heraus.
    Der Ritter, der Priester treten allein
    Über die ärmliche Schwelle hinein.
    Des langen Peters starkzählige Sippe
    Sitzt grad an der kargen Mittagskrippe.
    Jetzt zeige dich, Pidder:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Der Ritter verneigte sich mit hämischem Hohn,
    Der Priester will anheben seinen Sermon.
    Der Ritter nimmt spöttisch den Helm vom Haupt
    Und verbeugt sich noch einmal: Ihr erlaubt,
    Daß wir euch stören bei eurem Essen,
    Bring hurtig den Zehnten, den ihr vergessen,
    Und euer Spruch ist ein Dreck:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Da reckt sich Pidder steht wie ein Baum:
    Henning Pogwisch, halt deine Reden im Zaum!
    Wir waren der Steuern von jeher frei,
    Und ob du sie wünschst, ist uns einerlei.
    Zieh ab mit deinen Hungergesellen!
    Hörst du meine Hunde bellen?
    Und das Wort bleibt stehn:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Bettelpack! fährt ihn der Amtmann an,
    Und die Stirnader schwillt dem geschienten Mann:
    Du frisst deinen Grünkohl nicht eher auf,
    Als bis dein Geld hier liegt zu Hauf!
    Der Priester zischelt von Trotzkopf und Bücken
    Und verkriecht sich hinter des Eisernen Rücken.
    O Wort, geh nicht unter:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Pidder Lüng starrt wie wirrsinnig den Amtmann an.
    Immer heftiger in Wut gerät der Tyrann,
    Und er speit in den dampfenden Kohl hinein:
    Nun geh an deinen Trog, du Schwein!
    Und er will, um die peinliche Stunde zu enden,
    Zu seinen Leuten nach draußen sich wenden.
    Dumpf dröhnt`s von drinnen:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Einen einzigen Sprung hat Pidder getan,
    Er schleppt an den Napf den Amtmann heran
    Und taucht ihm den Kopf ein und läßt ihn nicht frei,
    Bis der Ritter erstickt ist im glühheißen Brei.
    Die Fäuste dann lassend vom furchtbaren Gittern,
    Brüllt er, die Türen und Wände zittern,
    Das stolzeste Wort:
    Lewwer duad üs Slaav!

    Der Priester liegt ohnmächtig ihm am Fuß,
    Die Häscher stürmen mit höllischem Gruß,
    Durchbohren den Fischer und zerren ihn fort,
    In den Dünen, im Dorf rasen Messer und Mord.
    Pidder Lüng doch, ehe sie ganz ihn verderben,
    Ruft noch einmal im Leben, im Sterben
    Sein Herrenwort:
    Lewwer duad üs Slaav!

    MdG.

    Bernwart

    Antworten
  168. 172

    Annegret Briesemeister

    Nicht alles Gut ist gut.
    Mensch überred‘ dich nicht!
    Was nicht in Lieböl brennt,
    das ist ein falsches Licht.

    Angelus Silesius

    Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen.
    Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.

    Friedrich Schiller

    Antworten
  169. 173

    Bernwart

    Treue Freunde!

    Wer kann unsre Seele töten, wer das junge Blut verderben?
    Klingt der Baum in Sturmesnöten, rinnt der Stamm aus offner Kerbe:
    Tief im Boden tausend Streben, eng geschlungen,
    in die schwere Deutsche Erde hart gedrungen hält die Wurzel
    und saugt Leben.

    Wer kann unsre Herzen zwingen, wer die hellen Augen blenden?
    Not lehrt deine Pulse singen, Not wird deine Blicke wenden
    tief in dich, wo tausend Streben eng geschlungen,
    in die Deutsche Erde hart gedrungen
    deines Blutes Wurzeln leben.

    Wer kann unsre Hände binden, wer den Flammengeist vernichten?
    Unser Werk wird Freiheit finden, wird die lange Nacht durchlichten.
    Bodentreu, durch tausend Streben eng geschlungen,
    in die schwere Deutsche Erde hart gedrungen
    quillt uns Leben, unser Leben!

    (Erwin Guido Kolbenheyer)

    Antworten
  170. 174

    Annegret Briesemeister

    Weil also die Gerechtigkeit fordert, das Wohl eines anderen um seiner selbst willen zu erstreben, und weil das Wohl eines anderen um seiner selbst willen zu erstreben bedeutet, andere zu lieben, so folgt aus der Natur der Gerechtigkeit, daß sie Liebe ist.

    Es ist mein Grundsatz, für das öffentliche Wohl zu arbeiten, ohne mich zu sorgen, ob es mir jemand dankt. Ich glaube, das man damit Gott nachahmt, der sich um das Wohl des Universums sorgt, egal ob es die Menschen anerkennen oder nicht.

    Und wenn Volkswörter zur Verfügung stehen, so ist es eine Sünde, durch meist unbequeme selbstgemachte Neuwörter die behandelten Gegenstände zu verdunkeln.

    Gottfried Wilhelm Leibniz

    Antworten
  171. 175

    Bernwart

    Freunde (Wilhelm Busch)

    Es ist halt schön,
    Wenn wir die Freunde kommen
    sehn.
    Schön ist es ferner, wenn sie
    bleiben
    Und sich mit uns die Zeit
    vertreiben.
    Doch wenn sie schließlich wieder
    gehn,
    Ist auch recht schön.

    Antworten
  172. 176

    Bernwart

    Die schwierigste Frage:

    Du fragst mich:
    Wie geht es Dir ?

    In dieser Zeit, die so viel Schande sät,
    die so viel Leid auf unsre Herzen lädt,
    Die Wohlergehen als einzige Tugend preist
    Und sich versündigt an des Menschen Geist,

    Die nach Vernichtung alles Hohen zielt
    Und mit dem Dolch in Kinderhänden spielt,
    Die auf der Mörderstirn das Kainsmal trägt
    Und mit der Faust die Wahrheit niederschlägt,

    Die so gemein, wie keine je vor ihr,
    Da fragst Du lächelnd mich:
    „Wie geht es Dir ?“

    Und ich ? Ja ich ! Was sage ich darauf ?
    Geb’ ich dem Jammer endlich freien Lauf,
    Bin ich vorm Freunde wenigstens bereit,
    Mich zu bekennen zur Gerechtigkeit
    Und frei zu nennen, was im Herzen loht
    Als steiler Haß nach Göttlichem Gebot,
    Der gegen feile Sklaverei zuletzt
    Mit allen Kräften sich zur Wehr setzt ?

    Hab’ ich zu Worten wenigstens den Mut ?
    Ich nicke flüchtig nur: „Ich danke, gut !“

    (Fritz Stüber, 1903-1978)

    Antworten
  173. 177

    Annegret Briesemeister

    Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste. Hohe Tugend versteht, wer in die Welt geblickt, und es neigen die Weisen oft am Ende dem Schönen sich.

    Es wird uns leicht, etwas durchzusetzen, sobald wir nur nicht ans Ziel getragen sein, sondern mit eigenen Füßen gehen wollen und es nicht achten, wenn zuweilen ein hartes Steinchen die Sohle drückt.

    Wenn der Baum zu welken anfängt, tragen nicht alle seine Blätter die Farbe des Morgenrots?

    Friedrich Hölderlin

    Antworten
  174. 178

    Annegret Briesemeister

    Manchmal

    Manchmal scheint uns alles falsch und traurig,
    wenn wir schwach und müd‘ in Schmerzen liegen.

    Jede Regung will zur Trauer werden,
    jede Freude hat gebroch’ne Flügel.
    Und wir lauschen sehnlich in die Weiten,
    ob von dorther neue Freude käme.

    Aber keine Freude kommt, kein Schicksal
    je von außen uns. Ins eigene Wesen
    müssen wir, vorsichtige Gärtner, lauschen,
    bis von dort mit Blumenangesichtern
    neue Freuden wachsen, neue Kräfte.

    Hermann Hesse

    Antworten
  175. 179

    Annegret Briesemeister

    Du musst das Leben nicht verstehen,
    dann wird es werden wie ein Fest.
    Und lass dir jeden Tag geschehen,
    so wie ein Kind im Weitergehen
    von jedem Wehen,
    sich viele Blüten schenken lässt.

    Sie aufzusammeln und zu sparen,
    das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
    Es löst sie leise aus den Haaren,
    drin sie so gern gefangen waren,
    und hält den lieben jungen Jahren
    nach neuen seine Hände hin.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  176. 180

    Annegret Briesemeister

    Willst du auf die Erde,
    sprach der Herr zu mir,
    brauchst du Liebe,
    die dich schützt,
    brauchst du Treue,
    die dich nie verlässt.

    Doch wirst du auf Erden
    finden nicht sobald
    Lieb‘ und Treue
    echt und heilig.
    Darum geb‘ ich dir
    von meiner mit.

    Und ich will sie legen,
    liebes Menschenkind,
    daß du findest
    in der Trübsal
    diese Gaben,
    in das Mutterherz.

    Peter Rosegger

    Antworten
  177. 181

    Annegret Briesemeister

    Mondnacht

    Es war,als hätt‘ der Himmel
    die Erde still geküsst,
    daß sie im Blütenschimmer
    von ihm nun träumen müsst‘.

    Die Luft ging durch die Felder,
    die Ähren wogten sacht‘ ,
    es rauschten leis‘ die Wälder,
    so sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    weit ihre Flügel aus,
    flog durch die stillen Lande,
    als flöge sie nach Haus.

    Joseph Freiherr von Eichendorff

    Antworten
  178. 182

    Annegret Briesemeister

    Denn sieh : sie werden leben und sich mehren
    und nicht bezwungen werden von der Zeit
    und werden wachsen wie des Waldes Beeren,
    den Boden bergend unter Süßigkeit.

    Denn selig sind, die niemals sich entfernten
    und still im Regen standen ohne Dach;
    zu ihnen werden kommen alle Ernten,
    und ihre Frucht wird voll sein tausendfach.

    Sie werden dauern über jedes Ende
    und über Reiche, deren Sinn verrinnt,
    und werden sich wie ausgeruhte Hände
    erleben, wenn die Hände aller Stände
    und aller Völker müde sind.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  179. 183

    Annegret Briesemeister

    Bekenntnis

    Ich stieg, mein Volk, aus dir wie Halm aus Acker steigt.
    Du hast dich, Heimat mir wie Mutter hold geneigt.
    Ich ward – und sieh, dein Hauch belebte meinen Geist.
    Ich wuchs in deiner Haut von deiner Hand gespeist.
    Ich durfte dienen dir, wie Biene dient dem Schwarm,
    das macht mich reich und stolz – vertrieben noch und arm.

    Wie hab ich mich gesehnt als du noch frei von Ketten,
    Heimat, in deinem Schoß zur Ruhe mich zu betten!
    Nun muß ich fern von dir und meinen Vätern sterben –
    o laß mich Herr, ein Grab in deutscher Erde erben.
    Und laß ein Lied von mir in unsrer Jugend leben,
    hab meine Hülle ich dir längst zurückgegeben!

    Agnes Miegel

    Antworten
  180. 184

    Bernwart

    Werft ab das Büßerhemd (Verf. unbek.)

    Werft ab das Büßerhemd,
    ihr tumben deutschen Toren,
    und schlagt es vehement
    den Heuchlern um die Ohren!
    Verweigert Euch den Lügen,
    steigt aus dem Irrsinn aus!
    Wollt Ihr noch länger fügen
    euch fremdem Hexenbann?
    Nein, handelt wie ein Mann
    und säubert Euer Haus!

    Bernwart

    Antworten
  181. 185

    Annegret Briesemeister

    Ob irdisch Glück und Liebe
    wie Spreu im Sand verweht,
    ob noch so wenig bliebe
    im Wechsel, das besteht, –
    Natur, die ewig gleiche,
    beut‘ ihren Freudenschatz,
    und Kunst, die üppig reiche,
    beglückt uns zum Ersatz.
    Und wer vom Herzensgrunde
    die beiden liebgewinnt,
    bleibt bis zur letzten Stunde
    ein glücklich Menschenkind.

    Adelheid Stier

    Antworten
  182. 186

    Bernwart

    Heil Euch Kameradinnen und Kameraden!

    Der STROMERHANNES, Georg Slyterman von Langeweyde,
    ist heute leider fast vergessen, dabei war er ein wahrhafter Künstler und Poet.

    Er hat neben seinen herrlichen Grafiken viele Lieder von der Lüneburger- Heide geschrieben und vertont, so z.B.:









    Accon und Beverina

    Bernwart

    Antworten
  183. 187

    Annegret Briesemeister

    Mein jüngstes Kind

    Ich wanderte schon lange,
    da kamst du daher;
    nun gingen wir zusammen,
    ich sah dich nie vorher.

    Noch eine kurze Strecke
    – das Herz wird mir so schwer

    -,
    du hast noch weit zu gehen,
    ich kann nicht weiter mehr.

    Theodor Storm

    Antworten
  184. 188

    Annegret Briesemeister

    Beutst du dem Geiste seine Nahrung

    Beutst du dem Geiste seine Nahrung,
    so lass nicht darben dein Gemüt,
    des Lebens höchste Offenbarung
    doch immer aus dem Herzen blüht.

    Ein Gruss aus frischer Knabenkehle,
    ja mehr noch, eines Kindes Lall’n,
    kann leuchtender in deiner Seele
    wie Weisheit aller Weisen fall’n.

    Erst unter Kuss und Spiel und Scherzen
    erkennst du ganz was Leben heisst;
    o lerne Denker mit dem Herzen
    und lerne fühlen mit dem Geist.

    Theodor Fontane

    Antworten
  185. 189

    Annegret Briesemeister

    Großmut und Hochmut

    Großmut gilt und Hochmut nicht.
    Jener steht und dieser bricht;
    dieser pflegt sich selbst zu fällen;
    jener pflegt sich hoch zu stellen;
    jener schaffet, was er will,
    dieser schaffet selten viel.

    Friedrich von Logau

    Wer in sich pflegt den Geist der Liebe,
    dem lebt er in der ganzen Welt.
    Dem spricht er nachts aus tausend Sternen
    und tags vom lichten Himmelszelt.

    Otto Leixner von Grünberg

    Antworten
  186. 190

    Annegret Briesemeister

    Wiedersehen

    Deine Kinder, hier verloren,
    wirst du droben wiederseh’n;
    denn was aus dir ist geboren,
    kann dir nicht verloren geh’n.

    Das du einst sie wiedersiehst,
    dieses kannst du wohl versteh’n,
    wenn du auch nicht das verstehest,
    wie du sie wirst wiederseh’n.

    Nicht als Kind; oder wolltest
    du sie ewig halten klein?
    Nicht gealtert; oder solltest
    du entfremdet ihnen sein?

    Die hier streitenden Gestalten,
    dort, wo sie verglichen sind,
    wo nicht Mann und Weib sich spalten
    trennt sich auch nicht Greis und Kind.

    Friedrich Rückert

    Antworten
  187. 191

    Annegret Briesemeister

    Der Bau des Rechts

    Wie manche Burg, wie mancher Dom
    ward weggeschwemmt vom Zeitenstrom!
    Hat er die letzten weggerissen,
    was beut der Welt alsdann Ersatz?
    Mir graut: Wird sie nicht schmerzlich missen
    den alten, teuren Bilderschatz?
    Steht fertig dann der Bau des Rechts
    dafür zur Freude des Geschlechts?

    Karl Mayer

    Antworten
  188. 192

    Annegret Briesemeister

    Das Geheimnis

    Im Walde Frieden. Zwei Hummeln läuten.
    Der Tag ist schon neigend.
    Da nahen Gestalten aus fernen Zeiten,
    sie grüßen mich schweigend,
    die alten Bekannten,
    sie winken mir stumm ein Geheimnis zu
    und schwanken vorbei.
    … ich hab nichts verstanden …

    Peter Rosegger

    Antworten
  189. 193

    Annegret Briesemeister

    Gebet

    Ich sprach von dir als von dem sehr Verwandten,
    zu dem mein Leben hundert Wege weiß,
    ich nannte dich, den alle Kinder kannten,
    für den ich dunkel bin und leis.

    Ich nannte dich den Nächsten meiner Nächte
    und meiner Abende Verschwiegenheit,
    und du bist der, in dem ich nicht geirrt,
    den ich betrat wie ein gewohntes Haus.

    Jetzt geht dein Wachsen über mich hinaus.
    Du bist der Werdentste der wird.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  190. 194

    Annegret Briesemeister

    Alle, welche dich suchen
    versuchen dich.
    Und die, so dich finden,
    binden dich an Bild und Gebärde.
    Ich aber will dich begreifen,
    wie dich die Erde begreift;
    mit meinem Reifen, reift dein Reich.

    Ich will von dir keine Eitelkeit,
    die dich beweist.
    Ich weiß, daß die Zeit
    anders heißt,
    als du.

    Tu mir kein Wunder zulieb,
    gib deinen Gesetzen recht,
    die von Geschlecht zu Geschlecht
    sichtbar sind.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  191. 195

    Annegret Briesemeister

    Von der Frucht – bringenden und Frucht – tilgenden Gesellschaft

    Frucht – tilgende Gesellschaft hat viel bisher vernichtet;
    Frucht – bringende Gesellschaft hat bisher viel verrichtet;
    Frucht – tilgende Gesellschaft nahm Deutschland manche Zier;
    Frucht – bringende Gesellschaft gab derer viel herfür;
    Frucht – tilgende Gesellschaft hat ihren Stolz geheget;
    Frucht – bringende Gesellschaft hat fernen Preis erreget;
    Frucht – tilgende Gesellschaft wird nützlich nicht mehr sein;
    Frucht – bringende Gesellschaft vermehret stets den Schein;
    Frucht – tilgende Gesellschaft war wenig deutsch gesinnet;
    Frucht – bringende Gesellschaft hat reiche Frucht gegünnet.
    Ich mache mir Gedanken, daß Deutschland immerdar,
    es tobe, wer da wolle, wird bleiben, was es war.
    Im Fall mit fremden Schanden die deutschen Redlichkeiten,
    vielmehr mit deutschem Herzen, wir bessern, nicht bestreiten.

    Friedrich von Logau

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  192. 196

    Ursula

    Der Postillon

    Lieblich war die Maiennacht,
    Silberwölkchen flogen,
    ob der holden Frühlingspracht
    freudig hingezogen.

    Schlummernd lagen Wies und Hain,
    jeder Pfad verlassen;
    Niemand als der Mondenschein
    wachte auf den Straßen.

    Leise nur das Lüftchen sprach,
    und es zog gelinder
    durch das stille Schlafgemach
    all der Frühlingskinder.

    Heimlich nur das Bächlein schlich,
    denn der Blüten Träume
    dufteten gar wonniglich
    durch die stillen Räume.

    Rauher war mein Postillon,
    ließ die Geißel knallen,
    über Berg und Tal davon
    frisch sein Horn erschallen.

    Und von flinken Rossen vier
    scholl der Hufe Schlagen,
    die durchs blühende Revier
    trabten mit Behagen.

    Wald und Flur im schnellen Zug
    kaum gegrüßt — gemieden;
    und vorbei wie Traumesflug
    schwand der Dörfer Frieden.

    Mitten in dem Maienglück
    lag ein Kirchhof innen,
    der den raschen Wanderblick
    hielt zu ernsten Sinnen.

    Hingelehnt am Bergesrand
    war die bleiche Mauer,
    und das Kreuzbild Gottes stand
    hoch, in stummer Trauer.

    Schwager ritt auf seiner Bahn
    stiller jetzt und trüber;
    und die Rosse hielt er an,
    sah zum Kreuz hinüber.

    „Halten muß hier Roß und Rad!
    mag’s euch nicht gefährden:
    drüben liegt mein Kamerad
    in der kühlen Erden.

    Ein gar herzlieber Gesell!
    Herr, ’s ist ewig schade!
    Keiner blies das Horn so hell
    wie mein Kamerade.

    Hier ich immer halten muß,
    dem dort unterm Rasen
    zum getreuen Brudergruß
    sein Leiblied zu blasen!“

    Und dem Kirchhof sandt‘ er zu
    frohe Wanderklänge,
    daß es in die Grabesruh
    seinem Bruder dränge.

    Und des Hornes heller Ton
    klang vom Berge wieder,
    ob der tote Postillon
    stimmt in seine Lieder.

    Weiter ging’s durch Feld und Hag
    mit verhängtem Zügel;
    lang mir noch im Ohre lag
    jener Klang vom Hügel.

    Nikolaus Lenau 1802 – 1852

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  193. 197

    Ursula

    Der Blick

    Mir gegenüber,
    dicht unterm Dach,
    sitzt ein Weib
    am geduckten Fenster
    und näht.
    Früh
    in das steigende Licht,
    spät
    in die fallende Nacht.
    Manchmal
    blickt es vom Schoße auf
    und verloren hinaus
    auf die Dächer —
    die Wolken —
    die Ewigkeit.
    Ich kann
    sein Auge nicht sehen,
    aber ich fühle den Blick,
    und blicke ihn mit,
    den zehrenden Blick
    auf die Dächer —
    die Wolken —
    die Ewigkeit …

    Christian Morgenstern 1871 – 1914

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  194. 198

    Annegret Briesemeister

    Heimweh nach Gott

    Kennst du das Lied von der Blume des Strand’s,
    wie sie sich hebt trotz wehenden Sand’s,
    wie sie mit leuchtenden Farben sich schmückt,
    wie sie die trauernde Düne entzückt?

    Kennst du das Heimweh, das mitten im Gram
    Zweiflers Gemüt nach Gott überkam?
    Heimweh nach oben, in Tränen entstand’s –
    Blume der Düne trotz wehenden Sand’s.

    Rudolf Kögel

    Antworten
  195. 199

    Annegret Briesemeister

    Was ist sterben? Was ist todt sein?

    Was ist sterben? Was ist todt sein?
    Sprach mein Knab‘ im vollsten Leben.
    Was soll ich zur Antwort geben?
    Sich entfärben, nicht mehr roth sein.

    Was ist sterben? Was ist todt sein?
    Ach, das er die Frage fraget!
    Wie mein Herz, das zage, zaget!
    Soll Verderben mir gedroht sein?

    Soll zum Werben es der Bot‘ sein?
    Ja der Bot‘, er hat geworben,
    und du fragst nicht mehr, gestorben :
    Was ist sterben? Was ist todt sein?

    Was ist sterben? Was ist todt sein?
    Frag‘ ich dich, wie du mich fragtest;
    und mir ist, als ob du sagtest :
    frei der herben Erdennoth sein!

    Friedrich Rückert
    aus der Sammlung “ Krankheit und Tod „

    Antworten
  196. 200

    Annegret Briesemeister

    Der Spiegel

    Kind :

    Du bist ein böser Spiegel, du!
    Ich komme dir so nahe zu
    und häßlicher nur zeigst du mich.
    Wart‘ , Spiegel, ich zerbreche dich.

    Spiegel :

    Mein Kind, es tut mir leid dafür,
    daß du so gerne kommst zu mir;
    ich muss dich zeigen, wie du bist,
    da dieses meine Art so ist.

    Kind :

    So bleib‘ ich lieber fort von dir,
    da du so wenig schmeichelst mir.

    Spiegel :

    Mach’s, wie du willst,
    denn treu und rein
    und wahrhaft
    muss ein Spiegel sein!

    August Corrodi

    Antworten
  197. 201

    Annegret Briesemeister

    Das Hexlein

    Und woni uffem Schnidstuehl sitz
    für Basseltang und Liechtspöh schnitz,
    se chu nut e Hexli wohlgimuet
    und frogt no frei : “ Haut’s Messer guet? “

    Und seit mer frei no Guete Tag
    und woni lueg, und woni sag :
    “ S chönnt besser go, und große Dank! “
    Se wird mer’s Herz uf eimol chrank.

    Und uf, und furt enanderno,
    und woni lueg, isch’s nümme do,
    und woni rüef : “ Du Hexli he! “
    Se git’s mer scho kei Antwort meh.

    Und sieder schmeckt mer’s Esse nit;
    stell umme, was de hesch und witt,
    und wenn en anders schlofe cha,
    se höri alli Stunde schlah.

    Und was i schaff, das grotet nit,
    und alli Schritt und alli Tritt
    se chunnt mim Sinn das Hexli für,
    und was i schwetz, isch hinterfür.

    ‚S isch wohr, es het e Gsichtli gah,
    s‘ verluegt si en Engel dra,
    und seit mit so‘ me freie Muet,
    so lieb und süß : “ Haut’s Messer guet? “

    Und leider hani’s ghört und gseh,
    und sellemols und nümme meh.
    Dört isch’s an Hag und Hurst vorbei,
    und witers über Stock und Stei.

    Wer spöchtet mer mi Hexli us,
    wer zeigt mer siner Mutter Hus?
    I lauf no, was i laufe cha,
    wer weiß, se triffi’s doch noch a!

    I lauf no alli Dörfer us,
    i snech und frog vo Hus zu Hus
    und würd mer nit mei Hexli chund,
    se würde ebe nümme gsund.

    Johann Peter Hebel
    Alemannische Gedichte

    Antworten
  198. 202

    Annegret Briesemeister

    O sag‘ nicht : fremdes Leid,
    ein Leid ist fremd dir nie!
    Im Bruderaug‘ die Träne,
    du selbst vergießt sie.
    Es schlägt ein einzig Herz
    in diesem großen All.
    In deiner eigenen Brust
    ertönt sein Widerhall.
    Der and’re bist du selbst;
    und ist ihm weh gescheh’n,
    und sinkt verletzt er hin –
    du bleibst nicht aufrecht steh’n.

    Verständnis für jedwedes Leid,
    Erbarmen mit mild mit jedem Fehle;
    Daran in dieser Zeitlichkeit
    erkennst du die erwählte Seele.

    Nenne dich nicht arm,
    weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind;
    wirklich arm ist nur,
    der nie geträumt hat.

    Marie von Ebner – Eschenbach

    Antworten
  199. 203

    Annegret Briesemeister

    Guter Rat

    An einem Sommermorgen
    da nimm den Wanderstab,
    es fallen deine Sorgen
    wie Nebel von dir ab.

    Des Himmels heitere Bläue
    lacht dir ins Herz hinein
    und schließt, wie Gottes Treue,
    mit seinem Dank dich ein.

    Rings Blüten nur und Triebe
    und Halme von Segen schwer.
    Dir ist als zöge die Liebe
    des Weges nebenher.

    So heimisch alles klinget
    als wir im Vaterhaus
    und über die Lerche schwinget
    die Seele sich hinaus.

    Theodor Fontane

    Antworten
  200. 204

    Annegret Briesemeister

    Ach was soll der Mensch verlangen?
    Ist es besser, ruhig bleiben?
    Klammernd fest sich anzuhangen?
    Ist es besser, sich zu treiben?
    Soll er sich ein Häuschen bauen?
    Soll er unter Zelten leben?
    Soll er auf die Felsen trauen?
    Selbst die festen Felsen beben.

    Eines schickt sich nicht für alle!
    Sehe jeder, wie er’s treibe,
    sehe jeder, wo er bleibe.
    Und wer steht, dass er nicht falle.

    Johann Wolfgang von Goethe

    Antworten
    1. 205.1

      Bernwart

      Versucht es bitte hier nochmal:

      Nun greift in die Saiten

      Antworten
  201. 206

    Annegret Briesemeister

    Immer wieder blüht der Flieder,
    immer wieder schallen Lieder,
    wieder schlägt das deutsche Herz.
    Lagen wir auch tief danieder,
    immer wieder, immer wieder
    führt dein Geist uns himmelwärts.

    Hans von Wolzogen

    Antworten
  202. 207

    Annegret Briesemeister

    Ich sah den Wald sich färben,
    die Luft war grau und stumm.
    Mir war betrübt zum Sterben,
    und wusst‘ es kaum warum.

    Durchs Feld vom Herbstgestäude
    hertrieb, das dürre Laub,
    da dacht‘ ich : deine Freude
    ward so des Windes Raub.

    Dein Lenz, der blütenvolle,
    dein reicher Sommer schwand;
    an die gefror’ne Scholle
    bist du jetzt festgebannt.

    Da plötzlich floss ein klares
    Getön in Lüften hoch :
    ein Wandervogel war es,
    der nach dem Süden zog.

    Ach, wie der Schlag der Schwingen,
    das Lied ins Ohr mir kam,
    fühlt‘ ich’s wie Trost mir dringen
    zum Herzen wundersam.

    Es mahnt aus heller Kehle
    mich ja der flücht’ge Gast :
    VERGISS, O MENSCHENSEELE
    NICHT, DASS DU
    FLÜGEL HAST.

    Emanuel Geibel

    Antworten
  203. 208

    Annegret Briesemeister

    Erde

    Erde, die uns dies gebracht,
    Sonne, die es reif gemacht,
    liebe Sonne, liebe Erde,
    euer nie vergessen werde.

    Wir haben volle Teller,
    und voll sind Scheunen und Keller,
    wir leiden keine Not.

    Gesichert ist das Brot,
    die Äpfel sind knallrot
    und auch der süße Wein
    lief rein ins Fass hinein.

    Die Ernt‘ ist geborgen,
    wir haben keine Sorgen,
    drum sei heut Dank gebracht,
    Sonne, die es reif gemacht.
    Liebe Sonne, liebe Erde,
    euer nie vergessen werde.

    Christian Morgenstern

    Antworten
  204. 209

    Annegret Briesemeister

    An die Neunmalweisen

    Das sind die Neunmalweisen,
    die predigen und preisen
    und lehren alle Welt:
    das Große und Geringe,
    sie prüfen alle Dinge,
    sie führten jede Klinge,
    sie standen jeden Held.

    Von Dingen, die sie wüßten
    und die geschehen müßten,
    was ist ihr Mund so voll.
    Doch wenn die Hörner blasen
    und wenn die Trommeln rasen,
    da rümpfen sie die Nasen,
    da ist die Jugend toll.

    Sie sehen stolz hernieder,
    sie schmäh’n auf unsre Lieder,
    daß es nicht Taten sind:
    “ Was schlagt ihr nur die Saiten,
    und wollt mit Liedern streiten?
    Man sang zu allen Zeiten,
    sang immer in den Wind.

    Nein! Wer die Welt will meistern,
    der habe nicht mit Geistern
    und Träumen nur Verkehr,
    der lerne nicht bloß singen,
    o nein, der lerne ringen
    und handeln und vollbringen!
    Und alle Tat ist schwer. “

    Wohlan, ihr Neunmalweisen,
    wir woll’n euch dankbar preisen :
    wollt ihr nur eins geruh’n :
    ihr wißt so schön zu raten –
    so gönnt in euren Staaten,
    so gönnt uns Raum zu Taten,
    so gebt uns doch zu tun!

    Wir wissen selbst : die Leier,
    die macht die Welt nicht freier,
    taub ist der Mächt’gen Ohr.
    Doch schwebt denn nicht, ich frage
    mit munter’m Flügelschlage
    dem werdenden, dem Tage,
    die Lerche auch zuvor?

    Und kommt auf schwarzen Wogen
    ein Sturm herangezogen,
    sah’t ihr die Möwe nicht?
    Und wenn der Lenz soll kommen,
    habt ihr da nicht vernommen
    der Nachtigall, der frommen,
    prophetisches Gedicht?

    Drum, was die Neunmalweisen
    auch predigen und preisen,
    wir dulden ihren Spott!
    WIR STREUEN DOCH ZU TATEN,
    ZU KÜNFTIGEN, DIE SAATEN :
    nun mag die Frucht beraten
    der allerhöchste Gott.

    Robert Eduard Prutz
    1816 – 1872

    Antworten
  205. 210

    Deichelmauke

    WAS KEINER WAGT

    Was keiner wagt, das sollt Ihr wagen,
    Was keiner sagt, das sagt heraus.
    Was keiner denkt, sollt Ihr befragen,
    Was keiner anfängt, das führt aus!

    Wo keiner ja sagt, sollt Ihr’s sagen,
    Wo keiner nein sagt, sagt doch nein.
    Wo alle zweifeln, wagt zu glauben,
    Wo alle mittun, steht allein!

    Wenn alle loben, habt Bedenken,
    Wenn alle spotten, spottet nicht.
    Wenn alle geizen, wagt zu schenken,
    Wenn alles dunkel ist, macht Licht!

    Walter Flex

    Gefunden auf dem Morgenwacht-Blog von Luzifex

    Antworten
  206. 211

    Deichelmauke

    Denk es!

    Wenn deine Mutter alt geworden
    Und älter du geworden bist,
    Wenn ihr, was früher leicht und mühlos
    Nunmehr zur Last geworden ist,

    Wenn ihre lieben, treuen Augen
    Nicht mehr, wie einst, ins Leben seh’n,
    Wenn ihre müd’ geword’nen Füße
    Sie nicht mehr tragen woll’n beim Geh’n,

    Dann reiche ihr den Arm zur Stütze,
    Geleite sie mit froher Lust;
    Die Stunde kommt, da du sie weinend
    Zum letzten Gang begleiten mußt!

    Und fragt sie dich, so gib ihr Antwort,
    Und fragt sie wieder, sprich auch du!
    Und fragt sie nochmals, steh’ ihr Rede,
    Nicht ungestüm, in sanfter Ruh’!

    Und kann sie dich nicht recht versteh’n,
    Erklär’ ihr alles froh bewegt;
    Die Stunde kommt, die bitt’re Stunde,
    Da dich ihr Mund nach nichts mehr frägt.

    Zugeschrieben A.H., 1923.
    Ebenfalls gefunden auf dem Morgenwacht-Blog mit interessanter Geschichte.
    Deswegen HIER der Verweis hierzu.

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